Tesla setzt auf Roboter: Optimus soll 80 % des Unternehmenswertes bringen
Elon Musk hat Tesla in einer markanten Wende strategisch auf die Entwicklung des humanoiden Robots Optimus ausgerichtet und erklärt, dass künftig 80 Prozent des Unternehmenswertes nicht mehr aus dem Elektrofahrzeuggeschäft, sondern aus den Roboter- und KI-Initiativen stammen sollen. Diese Ankündigung erfolgte im Zuge der Vorstellung des „Master Plan Part IV“ und markiert einen entscheidenden Bruch mit der bisherigen Identität des Unternehmens. Optimus, einst als experimentelle Vision, ist nun das zentrale strategische Projekt. Musk plant, bereits bis Ende 2025 „Tausende“ Roboter in Fabriken einzusetzen, mit einer jährlichen Produktion von einer Million Einheiten bis 2030. Jeder Roboter soll nach Schätzungen zwischen 20.000 und 30.000 Dollar wert sein. Dieser Schwenk erfolgt angesichts eines Rückgangs der globalen EV-Lieferungen um rund 13 Prozent im ersten Halbjahr 2025 – ein Trend, der die Nachfrage nach Tesla-Autos beeinträchtigt. Trotz des Rückgangs reagierte der Markt zunächst positiv: Der Tesla-Aktienkurs stieg um 1,4 Prozent, übertroffen die Marktbreite. Unterstützt wurde die Stimmung unter anderem durch lobende Äußerungen von Salesforce-Chef Marc Benioff nach einem Besuch im Tesla-Robotikzentrum. Analysten von UBS, Wedbush und Cantor Fitzgerald sehen langfristig Potenzial in der Robotik und den geplanten Robotaxis, auch wenn die kurzfristigen Fundamentaldaten schwach bleiben. Wedbush-Analyst Dan Ives und Benchmark-Experte Mikey Legg bleiben trotz einer 8-prozentigen Kurskorrektur nach der Quartalsveröffentlichung optimistisch und betonen die finanzielle Stärke und die KI-Ambitionen als Wachstumsträger. Goldman Sachs hatte bereits im Vorjahr prognostiziert, dass humanoider Roboter die nächste massenweite Technologie nach Elektrofahrzeugen und Smartphones werden könnte. Doch Skepsis bleibt groß. Kritiker weisen auf den rückläufigen Absatz von Elektrofahrzeugen, politische Belastungen und die hohe Abhängigkeit von Musk hin. James McRitchie, privater Tesla-Investor, warnte vor einer Überbewertung und einer „Kartenhaus-Struktur“, die zusammenbrechen könnte, sobald Musk nicht mehr an der Spitze steht. Analysten von JPMorgan und Morgan Stanley haben ihre Prognosen gesenkt und betonen, dass der Ertrag aus Robotik und KI noch Jahre entfernt sein könnte. Während die Washington Post die transformative Wirkung von Humanoid-Robotern mit dem Smartphone-Vergleich vergleicht, bleibt Amazon – trotz der Nutzung von über 750.000 industriellen Robotern – bei nicht-humanoider Automatisierung und zeigt damit eine pragmatische Gegenposition zu Teslas Vision. Die entscheidende Frage bleibt: Wann und wie wird Optimus Gewinn generieren? Ohne klare Geschäftsmodelle, realistische Skalierungspläne und nachweisbare Fortschritte könnte Teslas Roboter-Strategie in eine der vielen überambitionierten Tech-Träume münden, die nie ihre Versprechen erfüllt haben. Die nächsten Jahre werden entscheiden, ob Tesla ein Vorreiter in der physischen KI ist – oder eine Warnung für überzogene Visionen.
