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Smart-T-Shirt mit KI erkennt versteckte Herzkrankheiten früh

Ein smarter T-Shirt mit künstlicher Intelligenz (KI) könnte künftig Herzrhythmusstörungen frühzeitig erkennen – auch in Alltagssituationen, wo herkömmliche Diagnosemethoden versagen. Forscher am Imperial College London entwickeln ein textile Monitoring-System, das bis zu 50 Sensoren in der Kleidung integriert, um kontinuierlich EKG-Daten aufzuzeichnen. Im Gegensatz zu aktuellen tragbaren EKG-Geräten, die nur 24 bis 48 Stunden genutzt werden können und bei Duschen oder Waschen abgenommen werden müssen, kann der Smart-T-Shirt-Ansatz über bis zu drei Monate getragen werden – inklusive Waschgang. Dies ermöglicht eine langfristige Überwachung, entscheidend für die Erkennung seltenen, genetisch bedingter Herzkrankheiten wie dem Brugada-Syndrom, das oft symptomlos verläuft, aber plötzlichen Herztod auslösen kann. Zentraler Partner der Forschung ist Carly Benge, eine 38-jährige Lehrerin aus Watford, die selbst an Brugada-Syndrom leidet. Ihre Schwester Jodie wurde 2018 nach Schwangerschaftsbeschwerden diagnostiziert – zuvor hatte sie sich aus Angst, ihre Mutter zu enttäuschen, aus dem Krankenhaus entlassen. Nach der Geburt wurde die Diagnose bestätigt, und Jodie musste sofort eine Herzschrittmacher-Implantation vornehmen lassen. Da das Syndrom familiär vererbt wird, mussten auch Carly und ihre beiden Kinder, Imogen (7) und Jake (10), auf das Risiko getestet werden. Carly, die selbst keine Symptome hatte, erfuhr erst nach der Diagnose ihrer Schwester, dass sie betroffen war – ein Schock für die ganze Familie. Die Forscher um Professor Zachary Whinnett nutzen Daten von über 1.000 Personen, um ein KI-Modell zu trainieren, das abnorme EKG-Muster erkennt. 200 Teilnehmer am Hammersmith Hospital in London tragen den T-Shirt-Prototyp kontinuierlich für bis zu drei Monate, um die Effektivität zu testen. Das Material ist sportartig, bequem und kann unter der Kleidung getragen werden – ideal für Alltag, Schlaf und Bewegung. Carly betont: „Es ist praktisch, man kann es waschen und wieder anziehen. Das ist ein großer Fortschritt gegenüber den bisherigen Geräten.“ Das Projekt zielt darauf ab, die Diagnose von vererbten Herzkrankheiten zu revolutionieren. In Großbritannien leiden etwa 340.000 Menschen an solchen Erkrankungen, die jährlich rund 624 junge Menschen unter 35 Jahren töten – fast ein Opfer pro Tag. Da viele Herzrhythmusstörungen bei standardmäßigen EKGs im Krankenhaus unauffällig bleiben, ist die kontinuierliche Überwachung entscheidend. Die Forscher hoffen, die Technologie in etwa fünf Jahren für klinische Anwendungen bereitzustellen – zunächst für Erwachsene, später auch für Kinder. Ziel ist es, nicht nur Brugada-Syndrom, sondern auch Atrialfibrillation und andere Rhythmusstörungen früh zu erkennen. Professor James Leiper vom British Heart Foundation begrüßt die Innovation: „Zu viele Menschen sterben plötzlich an vererbten Herzkrankheiten, die früh erkannt werden könnten. Diese KI-gestützte Technologie könnte ein Wendepunkt sein.“ Die Kombination aus tragbarem Design, langer Überwachungsdauer und intelligenter Auswertung verspricht, die Diagnostik von Herzerkrankungen zu verändern – und Leben zu retten.

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