Anthropic prüft Übernahme von Physical Intelligence
Gerüchte um eine Übernahme des Robotik-Startups Physical Intelligence durch Anthropic haben in der Tech-Branche für Aufsehen gesorgt. Die Spekulationen wurden am Wochenende durch Posts auf sozialen Plattformen ausgelöst, nachdem Berichte bestätigten, dass beide Unternehmen bereits im Frühjahr Verhandlungen geführt haben. Physical Intelligence zählt zu den führenden Robotik-Firmen im Silicon Valley. Das im Jahr 2022 gegründete Unternehmen wurde von Mitgründer Lachy Groom sowie ehemaligen Google- und Stanford-Wissenschaftlern geleitet und hat über eine Milliarde US-Dollar eingesammelt. Mit dem Modell pi0.5 verfügt das Unternehmen über eine der am weitesten verbreiteten Steuerungssoftware für die Robotik-Forschung. Ein offizieller Kauf wurde vom Physical-Intelligence-CEO Karol Hausman zwar dementiert, die Reaktion blieb jedoch verhalten. Laut internen Meldungen kommentierte sie die Meldungen lediglich über eine Slack-Nachricht mit einem schüttelnden GIF. Tatsächlich spiegeln die Gespräche eine aggressive Expansionsstrategie beider Anbieter wider. Anthropic hat in diesem Jahr bereits vier Übernahmen getätigt und im Juni einen vertraulichen Börsengang beantragt. OpenAI ist dabei noch aktiver: Seit 2023 wurden mindestens siebzehn Unternehmen aufgekauft, die Vorbereitung auf einen eigenen Börsengang läuft ebenfalls. Der strategische Fokus auf Robotik lässt sich aus der aktuellen KI-Entwicklung ableiten. Fachexperten sehen ein tiefes Verständnis der physischen Welt als unverzichtbar für die Entwicklung überintelligenter Systeme, da rein textbasierte Modelle diese Grenzen aufweisen. Anthropic untersucht die Schnittstelle bereits intensiv, etwa durch das Projekt Fetch, bei dem Robotersteuerungen getestet wurden. Der Erwerb eines etablierten Robotik-Teams würde dem Unternehmen jahrelange Entwicklungsarbeit ersparen und die Marktposition im Hardware-Bereich festigen. Kritisch für den Verlauf ist die Position von OpenAI. Der Konkurrent ist selbst bereits an Physical Intelligence beteiligt. Dies wirft die Frage auf, ob OpenAI bei einem Verkauf an einen direkten Wettbewerber ein Vorkaufsrecht oder Sonderrechte besitzt. Gleichzeitig baut OpenAI seit 2024 wieder eine eigene Robotik-Sparte auf und plant den Einsatz humanoider Systeme. Die aktuelle Marktsituation deutet darauf hin, dass der Kampf um die nächste KI-Generation sich zunehmend auf physische Anwendungen und den Zugang zu spezialisierten Robotik-Teams verlagert. Für die betroffenen Unternehmen bleibt abzuwarten, ob die im Frühjahr begonnenen Gespräche zu einer Transaktion führen oder ob OpenAI sein finanzielles Engagement strategisch nutzt, um Anthropic zu verdrängen.
