AI verändert Software-Entwicklung: 90 % der Ingenieure nutzen KI, Rollen wandeln sich
Eine neue Studie von Google Cloud zeigt, dass die Nutzung von Künstlicher Intelligenz (KI) in der Softwareentwicklung weltweit auf 90 Prozent angestiegen ist – ein Anstieg um 14 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Die Erhebung basiert auf einer Umfrage unter 5.000 technischen Fachkräften und über 100 Stunden qualitativen Interviews, die vom DevOps Research and Assessment (DORA)-Team von Google durchgeführt wurden. Laut der Studie verbringen Entwickler durchschnittlich zwei Stunden pro Tag mit der Nutzung von KI-Tools in ihren zentralen Arbeitsabläufen. Nathen Harvey, Leiter des DORA-Teams und Developer Advocate bei Google Cloud, betont, dass KI in der Softwareentwicklung mittlerweile so allgegenwärtig ist, dass man fast fragen könnte: „Benutzen Sie eigentlich einen Computer am Arbeitsplatz?“ Die Rolle des Softwareingenieurs verändert sich grundlegend. Ryan J. Salva, Senior Director of Product Management bei Google, erwartet, dass sich die Zahl der „Bauer und Schöpfer“ deutlich erhöht – also mehr Menschen, die nicht nur Code schreiben, sondern auch Produkte entwickeln und direkt an deren Bereitstellung beteiligt sind. Traditionell war die Spezifikation von Produkten und Funktionen Aufgabe von Produktmanagern. Mittlerweile können sie mit Hilfe von KI jedoch schnell Prototypen erstellen, testen und präsentieren. Dies führt dazu, dass immer mehr Beteiligte näher an den Entwicklungsprozess heranrücken und nicht nur in der Planung, sondern auch bei der Implementierung und dem Deployment mitwirken. Google-Chef Sundar Pichai berichtete in einem Juni-Podcast mit Lex Fridman, dass die KI-Integration bereits eine 10-prozentige Steigerung der Entwicklungsleistung (Engineering Velocity) ermöglicht hat. Gleichzeitig kündigte er an, dass Google im kommenden Jahr weitere Ingenieure einstellen werde – eine Entscheidung, die auf der erweiterten Möglichkeitslandschaft durch KI zurückzuführen ist. Salva sieht die erforderlichen Fähigkeiten für Softwareentwickler als verändert: Während die Zeit für das reine Codieren abnimmt, gewinnt das strategische Denken über Produktarchitektur und Problemstellung an Bedeutung. „Die Leute denken jetzt viel mehr darüber nach, was für ein Produkt sie eigentlich liefern wollen – welche Fähigkeit sie anderen bringen“, sagt er. Durch KI wird die Hürde der Programmiersprachen wie Java oder Python abgebaut, sodass auch Nicht-Entwickler stärker in den Entwicklungsprozess eingebunden werden können. Trotz der KI-Unterstützung bleibt die Beherrschung von Programmiersprachen entscheidend. Überraschenderweise stieg die Wichtigkeit des Wissens über Syntax und Sprachregeln laut der Studie sogar an – ein Hinweis darauf, dass KI zwar Aufgaben übernimmt, aber das Verständnis der Sprache weiterhin unverzichtbar ist. 30 Prozent der Befragten vertrauten KI „eher nicht“ oder „gar nicht“. Harvey betont: „Wenn Sie die Sprache nicht lesen können, werden Sie scheitern.“ Denn selbst mit KI-Unterstützung bleibt die Fähigkeit, Code zu verstehen, zu analysieren und zu validieren, zentral für die Qualität und Funktionalität von Software. Die KI transformiert nicht nur die Arbeitsweise, sondern auch die Identität des Softwareentwicklers – hin zu einem ganzheitlicheren, produktorientierten Rollenverständnis. Die Zukunft gehört nicht mehr nur den Codern, sondern denjenigen, die mit KI fähig sind, komplexe Lösungen zu entwerfen, zu testen und zu liefern. Bewertung und Hintergrund: Branchenexperten sehen in der KI-Integration eine tiefgreifende Transformation der Softwarebranche. Laut Analysten von Gartner wird die Rolle des Entwicklers zunehmend „architektonisch“ und „produktorientiert“. Google positioniert sich als führender Player im KI-Entwicklungsumfeld mit Tools wie GitHub Copilot, Vertex AI und Cloud Code. Die steigende Nachfrage nach „KI-ergänzten“ Entwicklern unterstreicht, dass Zukunftskompetenzen neben technischem Know-how auch KI-Verständnis und kritisches Denken erfordern.
