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vor 4 Monaten
Generative KI

Target startet KI-gesteuerte Sanierung

Target plant eine ambitionierte Strategie zur Umkehrung eines dreijährigen Umsatzrückgangs, bei dem künstliche Intelligenz eine zentrale Rolle spielt. Nach dem Rückgang der Verkäufe über 13 aufeinanderfolgende Quartale und einem Marktanteilsverlust gegenüber Konkurrenten wie Walmart und Costco, stellte der im Februar neu ernannte CEO Michael Fiddelke in Minneapolis einen drastischen Wandel vor. Technischer Leiter Prat Vemana betonte, dass generative KI genau zum richtigen Zeitpunkt kam, da das Unternehmen dringend Innovationen benötige. Die finanzielle und operative Agenda für das kommende Jahr ist ehrgeizig: Ziel sind eine Milliarde Dollar an zusätzlichen Kapitalinvestitionen, weitere eine Milliarde Dollar an operativen Verpflichtungen, der Bau von 30 neuen Filialen sowie Modernisierungen von 130 bestehenden Geschäften. Zudem sollen in bestimmten Produktkategorien bis zu 75 Prozent des Sortiments überarbeitet und Produkte deutlich schneller neu eingeführt werden. Erste Anzeichen von Erfolg zeigten sich bereits im Februar, und das Unternehmen erwartet für jedes Quartal des Jahres 2026 ein Umsatzwachstum. Der Erfolg dieses Plans hängt maßgeblich von einer Vielzahl von KI-Tools ab, die vom Team von Vemana entwickelt wurden. Obwohl Target bereits seit langem Datenanalysen und maschinelles Lernen für operative Entscheidungen nutzt – ein Ansatz, der einst einen Wettbewerbsvorteil darstellte, wie der umstrittene Fall der Schwangerschaftserkennung 2012 zeigte –, hat sich die Landschaft gewandelt. Heute nutzen auch globale Rivalen wie Amazon und Walmart ähnliche Technologien und haben durch Skaleneffekte aufgeholt. Generative KI eröffnet nun jedoch neue Dimensionen für Wachstum, indem sie die Effizienz der Teams steigert, ohne dass Personal abgebaut werden muss. Ein konkretes Beispiel ist die Plattform Trend Brain für die Bekleidungsabteilung. Durch die Kombination von visuellen Analysen von Modefotos mit der Auswertung von Social-Media-Stimmungen können Designer Trends wie Polka-Dots oder saisonale Muster schnell erkennen und darauf reagieren. Dies ermöglicht es dem Unternehmen, Kollektionen nahezu doppelt so schnell wie zuvor zu wechseln und frühzeitig zu erkennen, welche Produkte sich schlecht verkaufen werden. Zudem entlasten KI-Systeme das Designpersonal von repetitiven Aufgaben, da sie nicht müde werden. Auch im stationären Handel unterstützen neue Tools die Mitarbeiter. Durch spezielle Zebra-Scanner auf Handgeräten können Filialleiter Regale planen, Nachbestellungen priorisieren und sofortige Hilfe erhalten, ohne zu einem Desktop-Computer wechseln zu müssen. Vemana betont dabei stets, dass die KI menschliche Interaktion nicht ersetzen, sondern vielmehr Zeit für den Kundenkontakt schaffen soll. Auf der Kundenseite integriert Target KI in die eigene App, deren Codebasis komplett überarbeitet wurde, um KI-Funktionen zu ermöglichen. Die App wurde in rund 18 Monaten neu geschrieben, was ursprünglich Jahre gedauert hätte. Zu den neuen Features gehören ein Scanner für handschriftliche Einkaufslisten, die diese in einkaufsfertige digitale Listen umwandeln, sowie eine Store-Modus-Funktion, die Artikel direkt auf einer Karte des jeweiligen Geschäftsstandorts einblendet. Zudem ist Target einer der ersten Händler, der Multi-Produkt-Körbe über ChatGPT anbietet und Partner von Google bei der Entwicklung offener Handelsprotokolle ist. Ungeachtet der enormen Investitionen stellt sich die Frage, ob sich der Kapitaleinsatz langfristig rentiert. Vemana versichert jedoch, dass die KI-Technologien nicht um ihrer selbst willen eingesetzt werden, sondern eine fundamentale Stärkung für gezieltes Wachstum darstellen sollen. Target sieht den technologischen Umbau als unverzichtbaren Baustein für seine Zukunftssicherung und die Rückkehr zur profitablen Entwicklung.

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