KI-Modell balanciert Wasserbedarf bei Dürre
Angesichts zunehmender Dürrebelastungen in den Vereinigten Staaten haben Forschende der Virginia Tech ein kausales KI-Modell entwickelt, das den wachsenden Wettbewerbsdruck zwischen der Landwirtschaft und der Halbleiterindustrie um knappe Wasserressourcen analysiert und steuern soll. Geführt von Associate Professor Feras Batarseh im Department of Biological Systems Engineering erarbeiteten das Team um Dan Sobien und Lauren Pincus des A3 Lab ein Instrument, das erstmals bundesweit die Schnittmengen zwischen Bewässerungsmustern, Halbleiterfertigung und Wasserstressindikatoren kartiert. Die Ergebnisse wurden im Journal of Water Resources Planning and Management veröffentlicht. Traditionelle Prognosemodelle stoßen bei der komplexen US-Wasserbewirtschaftung an ihre Grenzen, da Bundesgesetze, Flussgebiete und Wirtschaftsregionen unterschiedlich reguliert werden. Das neue KI-System identifiziert stattdessen kausale Zusammenhänge zwischen Wasserverfügbarkeit, landwirtschaftlichem Bedarf und industrieller Expansion. Es kann simulieren, wie der Bau eines neuen Chips-Fabricationswerks in trockenen Bundesstaaten wie Arizona, Kalifornien oder Texas die Bewässerungskapazitäten in Nachbarschaftsregionen beeinflusst oder wie gesteigerte Effizienz in der Bewässerungswirtschaft freigesetzte Wassermengen für industrielles Wachstum bereitstellt. Die Halbleiterproduktion erfordert enorme Mengen hochreinsten Wassers für Reinigungs- und Kühlprozesse und konzentriert sich dabei häufig auf ohnehin wasserarme Regionen. Parallel dazu verbraucht die Landwirtschaft mit etwa siebzig Prozent den größten Anteil an Süßwasser, wobei Feldfrüchte wie Mais, Baumwolle und Reis insbesondere in trockenen Zonen einen hohen Bewässerungsbedarf aufweisen. Das KI-Modell integriert Daten aus Hydrologie, Klimatologie, Landwirtschaft und industriellen Betriebsprozessen, um für jeden Bundesstaat optimierte Handlungsempfehlungen zu generieren. Durch die Simulation verschiedener Szenarien und die Bewertung politischer Optionen unterstützt das Tool Entscheidungsträger auf Bundes- und Staatsebene bei der Ressourcenallokation, ohne dabei die wirtschaftliche Entwicklung zu gefährden. Das Forschungsteam betont, dass KI nicht nur als Druckfaktor auf bestehende Infrastrukturen wirkt, sondern gezielt zur Effizienzsteigerung eingesetzt werden kann. Die Optimierung der Bewässerungstechniken um zehn bis zwanzig Prozent schafft nach Berechnungen der Studie ausreichend Spielraum, um das Wachstum der Halbleiterbranche zu ermöglichen, ohne die landwirtschaftliche Versorgung zu gefährden. Das Modell adressiert zudem bestehende Schwachstellen wie alternde Infrastruktur und Cyberrisiken in der Wasserversorgung, indem es präventive Steuerungsansätze bereitstellt. Ziel des Projekts ist die Etablierung einer datengestützten Wasserwirtschaft, die regionale Entscheidungen proaktiv auf ihre landesweiten Auswirkungen prüft. Indem kausale KI-Modelle zeigen, wie Maßnahmen in einem Einzugsgebiet Farmen, Fabriken und Gemeinden bundesweit beeinflussen, soll eine fundierte Balance zwischen wirtschaftlicher Expansion und langfristiger Wassersicherheit erreicht werden, bevor Engpässe zu akuten Versorgungs-Krisen eskalieren.
