KI und Kameras erfassen seltene Wildtiere in Kambodscha
Durch den Einsatz verdeckter Kamerafallen, Bioakustik-Mikrofone und künstlicher Intelligenz gelingt es Naturschutzorganisationen in den kambodschanischen Cardamom-Bergen, die Biodiversität eines der letzten intakten Regenwaldgebiete Südostasiens systematisch zu erfassen. Conservation International hat seit 2024 flächendeckend Monitoring-Systeme betrieben, um den Zustand des über eine Million Hektar großen Schutzgebiets wissenschaftlich zu untermauern. Die Technologie kombiniert optische Aufzeichnung mit akustischer Überwachung. Während Kamerafallen große Säugetiere wie Elefanten und Pangoline dokumentieren, wurden für die in den Baumkronen lebenden und kaum sichtbaren Gibbons speziell akustische Sensoren installiert. Deren Standortabstand von mindestens drei Kilometern gewährleistet, dass einzelne Gibbon-Gruppen getrennt überwacht werden. In einem dreimonatigen Pilotprojekt wurden nahezu 800 Gesänge aufgezeichnet. Ein darauf trainiertes Machine-Learning-Modell kategorisiert die Audioaufnahmen automatisch und unterscheidet präzise zwischen Gibbon-Rufen und Hintergrundgeräuschen. Nachfolgende Iterationen der Software sollen Geschlecht und individuelle Tiere erkennen, was Langzeitstudien zur Populationsdynamik erheblich erleichtert. Die Datenlage belegt den Erfolg des Monitorings: Die erste systematische Erhebung im zentralen Cardamom-Gebirge identifizierte über 100 heimische Tierarten, darunter fast zwei Dutzend gefährdete Spezies. Einheimische Mitarbeiter, darunter Angehörige der indigenen Chong-Gemeinschaft, unterstützen die Platzierung der Geräte und tragen durch ihr lokales Wissen zur Effizienz bei. Für Naturschutzmanager wie Ratha Sor von Conservation International repräsentieren die technischen Nachweise einen entscheidenden Schritt: Sie belegen den ökologischen Wert des Waldes und schaffen eine evidenzbasierte Grundlage für künftige Schutzmaßnahmen. Trotz der technologischen Fortschritte und reduzierter Wildereität bleibt der Waldbestand bedroht. Satellitendaten verzeichnen innerhalb der letzten fünf Jahre den Verlust von nahezu 7.000 Hektar Waldfläche. Hauptursache sind infrastrukturelle Vorhaben, darunter der Ausbau von Staudämmen, die sich der direkten Kontrolle entziehen. Die gewonnenen technischen Erkenntnisse dienen daher auch der politischen Lobbyarbeit. Durch den transparenten Nachweis einer intakten Fauna soll die wirtschaftliche und ökologische Notwendigkeit des Waldschutzes untermauert werden, um künftige Rodungen einzudämmen und das Ökosystem für kommende Generationen zu bewahren.
