Google lässt Softwareingenieure KI-Assistenten bei Interviews nutzen
Google testet ein neues Einstellungsverfahren für Software-Ingenieure, bei dem Kandidaten während der Interviews KI-Assistenten nutzen dürfen. Laut internen Dokumenten, die von Business Insider eingesehen wurden, ist diese Änderung Teil einer umfassenden Überarbeitung des Recruiting-Prozesses. Ziel ist es, die Einstellungen besser an die aktuelle Technologie-Landschaft anzupassen. Der Pilot wird im zweiten Halbjahr des laufenden Jahres für Junior- bis Mid-Level-Positionen in ausgewählten Teams in den USA starten. Bei Erfolg soll das Format später weltweit ausgedehnt werden. Während der sogenannten Code-Comprehension-Runde werden Bewerber die Nutzung eines genehmigten KI-Assistenten erhalten. Ihre Aufgabe besteht darin, eine bestehende Codebasis zu lesen, zu debuggen und zu optimieren. Dabei bewerten die Interviewer nicht nur die klassischen Programmierfähigkeiten, sondern auch die Kompetenz im Umgang mit KI, einschließlich des Prompt-Engineerings, der Validierung von Ausgabedaten und des Debuggens von KI-generierten Lösungen. Ein Google-Sprecher bestätigte die Pläne und erläuterte, dass im Pilotphase das eigene Modell Gemini von Google zum Einsatz kommen wird. Brian Ong, Vizepräsident für Recruiting, betonte, dass die Maßnahmen dazu dienen, den Rekrutierungsprozess an die Arbeitsweise in Teams widerzuspiegeln, die bereits im KI-Zeitalter operieren. Aktuelle Daten unterstreichen die Dringlichkeit dieser Anpassung. Im April teilte Google mit, dass bereits drei Viertel des neuen Codes im Unternehmen durch KI generiert werden. Auch in der breiteren Tech-Branche nimmt dieser Trend rapide zu; der Präsident von OpenAI, Greg Brockman, vermeldete vor kurzem, dass der Anteil von KI-geschriebenem Code auf 80 Prozent gestiegen ist. Das neue Format bei Google ist als „menschengeleitet, KI-unterstützt" konzipiert und soll die typische Arbeitsabläufe in der Ära der generativen KI realitätsnah simulieren. Neben dem Einsatz von KI bei der Code-Evaluierung sieht der neue Prozess weitere Änderungen vor. Die bisherige runde für kulturelle Passung und Führung („Googleyness and Leadership") wird künftig eine technische Design-Diskussion über frühere Projekte des Kandidaten beinhalten. Für weniger erfahrene Bewerber wird eine technische Runde durch einen Test ersetzt, der das Lösen offener technischer Herausforderungen erfordert. Der Testlauf findet in diesem Monat in verschiedenen Bereichen wie Cloud sowie den Bereichen Plattformen und Geräte statt. Googles Entscheidung folgt einem Trend, den einige Technologie-Startups bereits länger verfolgen. Zu den Unternehmen, die bereits KI-Einsatz in technischen Interviews erlauben, zählen der Grafik-Gigant Canva und das KI-Coding-Startup Cognition. Emily Cohen von Cognition erklärte gegenüber Business Insider kürzlich, dass der Verzicht auf KI in Tests vergleichbar sei mit der Anforderung, dass Schüler einen Mathe-Test ohne Taschenrechner lösen sollen. Sie argumentiert, dass KI-Tools für den Großteil der Aufgaben, die in der Rolle erforderlich sind, unverzichtbar sind. Durch diese Maßnahmen positioniert sich Google proaktiv, um Talente zu gewinnen, die auf die Anforderungen der modernen Softwareentwicklung vorbereitet sind.
