Replit und Microsoft Partner bei App-Prototyping im Cloud-Bereich
Immer wieder treten Unternehmen in der Cloud-Technologie zusammen, um ihre Positionen zu stärken und neue Märkte zu erschließen. Am Dienstag gab Replit bekannt, dass es eine strategische Partnerschaft mit Microsoft eingegangen ist. Diese Kooperation sollte sowohl für Replit als auch für Microsoft vorteilhaft sein. Durch die Partnerschaft wird Replit über den Microsoft Enterprise Cloud App Store, den Azure Marketplace, verfügbar sein. Dies bedeutet, dass Unternehmen, die Microsoft-Produkte einsetzen, Replit-Abonnements direkt über diesen Marktplatz erwerben können. Zudem integriert Replit seine Technologie in verschiedene Microsoft-Cloud-Dienste wie Container, virtuelle Maschinen und Microsofts Version von Postgres, genannt Neon Serverless Postgres. Dies trägt dazu bei, dass Azure Einnahmen aus Replit-Anwendungen in der Produktion erzielen kann. Microsoft bietet bereits seinen eigenen beliebten KI-gestützten Codierungsassistenten GitHub Copilot an. Allerdings konkurrieren Replit und Copilot nur bedingt miteinander, da sie sich auf unterschiedliche Benutzergruppen und Anwendungsfälle fokussieren. Copilot ist vor allem als in-Browser-Codierungsassistent für professionelle Entwickler bekannt, während Replit auch für Personen ohne großes Programmierwissen geeignet ist. Mit natürlichsprachlichen Anweisungen können Anwender Webanwendungen erstellen, und Replit kümmert sich um die Einrichtung der Datenbank, Authentifizierung, Speicherung und andere technische Aspekte. Programmierer können danach die Funktionen direkt anpassen, da Replit mehrere Programmiersprachen unterstützt. Die beiden Unternehmen bewerben Replit als Prototypier- und Design-Werkzeug, das Figma als Konkurrenten ins Auge fasst. Zielgruppe sind auch Geschäftsführer ohne Programmierkenntnisse, die benutzerdefinierte Anwendungen selbst erstellen können. Ein Beispiel wäre ein Verkaufsleiter, der ein Tool zur Überwachung von Zusammenhängen zwischen Vertragsverlängerungen und Kundensupport-Tickets erstellt. Ein Sprecher von Replit erklärte gegenüber TechCrunch: „Wir ermöglichen es Mitarbeitern aus allen Abteilungen, Anwendungen zu entwickeln, unabhängig von ihrem Programmierwissen. Aus dieser Perspektive ergänzen wir Copilot.“ Replit ist auch einer der führenden Akteure im Bereich des sogenannten „vibe coding“. Im Juni teilte CEO Amjad Masad mit, dass das Unternehmen innerhalb von sechs Monaten von einem Jahreslaufgeschäftseinkommen (ARR) von 10 Millionen US-Dollar auf 100 Millionen US-Dollar gestiegen sei. Die letzte Finanzierungsrunde im Umfang von 97,4 Millionen US-Dollar wurde von Andreessen Horowitz angeführt, mit Beteiligungen von Khosla, Coatue, SV Angel, Y Combinator, Bloomberg Beta, Naval Ravikant und ARK Ventures. Das Unternehmen hat eine Postfinanzierungsbewertung von 1,1 Milliarden US-Dollar erreicht. Masad betonte, dass Replit noch immer über die Hälfte seiner Finanzierungsmittel auf dem Konto hat. Replits Plattform zählt laut eigener Angaben über 500.000 Geschäftsanwender. Replit konkurriert mit anderen schnell wachsenden Startups, darunter das europäische Unternehmen Lovable, das im selben Zeitraum ein ARR von 50 Millionen US-Dollar erreicht haben soll und derzeit eine neue Finanzierungsrunde in Angriff nimmt, bei der es auf etwa 2 Milliarden US-Dollar bewertet werden soll. Ein weiterer Rivale ist Bolt, das binnen fünf Monaten ein ARR von 40 Millionen US-Dollar erreicht hat. Obwohl diese Partnerschaft mit Microsoft die Beziehungen zu Google Cloud beeinträchtigen könnte, ist sie nicht exklusiv. Replit bestätigte TechCrunch, dass das Unternehmen Google Cloud nicht verlassen wird, sondern seine Unterstützung für Microsoft-Kunden erweitert. Dies bedeutet auch, dass andere bekannte „vibe coding“-Startups ähnliche Deals mit Microsoft abschließen könnten. Diese Partnerschaft zwischen Replit und Microsoft wird als wichtiger Schritt für beide Unternehmen betrachtet, insbesondere da sie Microsofts Position in der Cloud-Entwicklung verstärkt. Replit profitiert von der verbesserten Sichtbarkeit und Erreichbarkeit durch den Azure Marketplace, während Microsoft von der Einbindung einer populären und vielseitigen Entwicklungsumgebung profitiert. Insiders aus der Branche sehen dies als eine kluge Strategie, um den Markt für Low-Code-/No-Code-Entwicklungslösungen weiter zu erobern, der in den letzten Jahren stark gewachsen ist.
