Griechischer Premier offen zur KI: Regulierung hinkt nach
Der griechische Regierungschef Kyriakos Mitsotakis nutzte seinen aktuellen Besuch im Silicon Valley, um Griechenland als aufstrebenden Tech-Standort zu positionieren und sich gleichzeitig offen zu den gesellschaftlichen Herausforderungen durch künstliche Intelligenz zu äußern. Während seiner Zeit in San Francisco, die Touren zu führenden Unternehmen sowie Gespräche mit Investoren umfasste, betonte Mitsotakis die wirtschaftliche Stabilisierung des Landes. Griechenland beziehe Zinsen zu günstigeren Konditionen als die USA, wofür maßgeblich die EU-Konjunkturhilfen verantwortlich seien. Diese Mittel flossen vorrangig in die digitale Infrastruktur, darunter ein neues Regierungsportal und einen zukünftigen Supercomputer in Lavrio, der die KI-Forschung vorantreiben soll. Durch Reformen bei der Besteuerung von Aktienoptionen, Lockerungen im Arbeitsrecht und attraktive Steuervorteile für Rückkehrer will Athen qualifizierte Fachkräfte binden, die während der Schuldenkrise abgewandert waren. Im Fokus des Gesprächs standen jedoch die regulatorischen und ethischen Implikationen der KI-Technologie. Mitsotakis gab offen zu, dass viele Antworten auf die global debattierten Fragen noch ausstünden. Er führte dies darauf zurück, dass die Politik oft auf Entwicklungen reagiere, die die Technologie bereits überholt habe. Ein geplantes Verbot sozialer Medien für Minderjährige nannte er möglicherweise zu spät angesetzt angesichts aufkommender KI-Assistenten. Im Bildungsbereich unterstützt Griechenland Pilotprojekte zur Entlastung von Lehrkräften, warnte jedoch davor, dass KI nicht den grundlegenden Lernprozess ersetzen dürfe. Gleichzeitig begrüßt Griechenland den Ausbau von Rechenzentren durch internationale Anbieter, da in Griechenland noch keine nennenswerten lokalen Proteste gegen den hohen Energieverbrauch zu verzeichnen seien. Hinsichtlich der wirtschaftlichen Folgen räumte Mitsotakis unverzagt ein, dass KI unweigerlich zu Stellenabbau führen werde, auf den weder Staaten noch Gesellschaften ausreichend vorbereitet seien. Er unterstütze daher die von den führenden KI-Labs selbst ausgesprochenen Aufrufe zur Verlangsamung der Entwicklung, solange die Sicherheitsmechanismen nicht abschließend verstanden seien. Eine intelligente Regulierung sei unvermeidlich, wobei die USA dabei die Richtung vorgeben würden. Griechenland biete sich jedoch als neutraler Ort für den notwendigen interdisziplinären Austausch an. Die historische Stadt Athens solle erneut zum Schauplatz der Debatte werden, die Techniker, Sozialwissenschaftler und Philosophen zusammenbringt, um die Grenzen menschlicher Intelligenz und gesellschaftlicher Resilienz zu definieren. Damit positioniert sich Griechenland nicht nur als Wirtschaftsstandort, sondern als proaktiver Akteur in der internationalen Technologiepolitik.
