Ex-Regierungs-CIO: AI vereinfacht Bürokratie und steigert Wertarbeit
Casey Coleman, ehemalige Chief Information Officer der US-Regierung bei der General Services Administration (GSA), betont in einem aktuellen Interview mit Business Insider, dass Künstliche Intelligenz (KI) die Bürokratie in der öffentlichen Verwaltung entscheidend vereinfachen kann. Während ihrer zehnjährigen Tätigkeit bei der GSA von 2007 bis 2014 hatte sie häufig Schwierigkeiten, die richtigen Behörden und Ansprechpartner für Projekte zu identifizieren. „Alles wird in Kooperation mit mehreren Stakeholdern erledigt, und die Arbeitsabläufe erfordern Genehmigungen verschiedener Gruppen – manchmal wusste ich nicht einmal, wer zuständig war“, erklärte sie. Mit KI könnten diese Prozesse automatisiert und die Verbindungen zwischen Organisationen besser hergestellt werden, was den Beschäftigten wertvolle Zeit zurückgeben würde. „Das wäre eine Nettoverbesserung für die gesamte Gesellschaft“, so Coleman. Seit ihrem Ausscheiden aus der Regierung arbeitete sie bei Unternehmen wie AT&T, Unisys und Salesforce, bevor sie 2025 bei ServiceNow, einem kalifornischen Cloud- und KI-Unternehmen, als Leiterin des öffentlichen Sektors antrat. Sie ist überzeugt, dass KI nicht zu Stellenabbau führen wird, sondern die Produktivität und Qualität der Arbeit steigern wird. „Menschen gehen in die öffentliche Dienstleistung, um zu dienen, nicht, um bürokratische Abläufe zu managen“, sagte sie. In ihrer eigenen Erfahrung habe es immer mehr Aufgaben gegeben, als bewältigt werden konnten. „Mit besserer Technologie können wir jetzt Dinge tun, die früher unmöglich waren – nicht weniger Menschen, sondern bessere, kreativere, wertvollere Arbeit.“ Im August kündigten OpenAI und Anthropic an, US-Behörden ein Jahr lang Zugang zu ihren KI-Modellen zu einem symbolischen Preis von jeweils 1 US-Dollar zu gewähren. OpenAI plant, seinen ChatGPT Enterprise-Plan ab nächstes Jahr für Behörden verfügbar zu machen, während Anthropic seine Produkte Claude for Enterprise und Claude for Government anbietet. Auch Google bietet mit seinem Gemini for Government-Programm ab 2026 jedem Bundesbehörde für 0,47 Dollar pro Jahr Zugang zu seinen KI-Tools. Darrell M. West, Senior Fellow am Center for Technology Innovation, sieht in diesen Angeboten eine strategische Bewegung der Tech-Unternehmen. „Es ist ein langfristiges Geschäftsmodell“, sagte er gegenüber Business Insider. „Obwohl es viele KI-Anbieter gibt, wird sich der Markt wahrscheinlich vereinfachen. Wenn man bereits jetzt die Behörden an die eigenen Produkte bindet, steigt die Wahrscheinlichkeit, dass man später einer der Überlebenden ist.“ Die Einführung von KI in der öffentlichen Verwaltung wird zunehmend als Schlüssel zur Effizienzsteigerung und Verbesserung der Dienstleistungsqualität angesehen. Experten wie Coleman sehen darin nicht nur eine technologische, sondern auch eine kulturelle Chance: die Rückkehr zu einer zielgerichteten, menschenzentrierten Verwaltung, in der Mitarbeiter sich auf das Wesentliche konzentrieren können.
