Nvidia kauft Groq-Talente für 20 Milliarden – Strategie zur Wettbewerbskontrolle
Nvidia hat angeblich eine 20-Milliarden-Dollar-Übereinkunft mit dem KI-Chip-Startup Groq abgeschlossen, die als „nicht-exklusives Lizenzabkommen“ bezeichnet wird – ein Schritt, der von Analysten als strategische Maßnahme zur Aufrechterhaltung des Anscheins von Wettbewerb interpretiert wird. Obwohl weder Nvidia noch Groq eine offizielle Pressemitteilung oder regulatorische Filing veröffentlicht haben, bestätigte ein Sprecher von Nvidia die Inhalte einer 90-Wörter-Notiz von Groq, die am Mittwoch nach dem Feiertags-Handel veröffentlicht wurde. Laut Alex Davis, Hauptinvestor von Groq und CEO von Disruptive, wurde die Transaktion in bar abgeschlossen. Groq, gegründet 2016 von ehemaligen Google-Ingenieuren – darunter CEO Jonathan Ross, der maßgeblich an den Google TPUs beteiligt war –, spezialisiert sich auf KI-Inferenz-Chips, während Nvidia dominierend im Training von KI-Modellen mit GPUs ist. Die Übernahme der Schlüsseltechnologie und des Führungsteams, darunter Ross und Präsident Sunny Madra, soll Nvidia helfen, seine dominierende Position im KI-Ökosystem weiter auszubauen. Groq bleibt als eigenständiges Unternehmen bestehen, geleitet von Finanzchef Simon Edwards. Die Transaktion markiert die größte Investition in der 32-jährigen Geschichte von Nvidia – weit über die 2019 erworbenen Mellanox-Aktien hinaus. Doch statt einer klassischen Übernahme nutzt Nvidia ein Modell, das bereits von Meta, Google, Microsoft und Amazon genutzt wurde: Große Summen für Talent und Lizenzierung, um Antitrust-Bedenken zu umgehen und schnelle Integration zu ermöglichen. Analyst Stacy Rasgon von Bernstein sieht darin eine kluge Strategie, die den „Fiction of Competition“ aufrechterhält, um regulatorische Hürden zu umgehen. Er empfiehlt weiterhin den Kauf von Nvidia-Aktien mit einem Kursziel von 275 US-Dollar. Die Aktie stieg am Freitag um etwa 1 % auf 190,53 US-Dollar und hat sich seit Ende 2022 mehr als dreizehnfach erhöht, getrieben von der KI-Revolution nach dem Launch von ChatGPT. Nvidia nutzt sein wachsendes Cash-Reservoir – Ende Oktober belief sich das Vermögen auf 60,6 Milliarden US-Dollar –, um in die gesamte KI-Ökonomie zu investieren, etwa in OpenAI und Intel. Analysten von Cantor und BofA Securities sehen die Groq-Transaktion als „strategisch“, obwohl teuer und überraschend. Sie betonen, dass Nvidia sowohl auf der Offensive als auch auf der Verteidigung agiert, um seine Marktführerschaft zu sichern. Besonders relevant ist der zunehmende Fokus auf Inference, wo spezialisierte Chips wie die von Groq Vorteile bieten könnten. Ungeklärt bleiben jedoch Fragen zu Eigentumsrechten an der Sprachverarbeitungstechnologie, deren Lizenzierung für Konkurrenten und das Potenzial von Groqs Cloud-Initiative, Nvidia-Lösungen mit günstigeren Preisen zu unterbieten. Die erste offizielle Stellungnahme von Nvidia wird voraussichtlich am 5. Januar bei der CES in Las Vegas von CEO Jensen Huang erfolgen. Bis dahin bleibt die Transaktion ein Fall von strategischer KI-Expansion unter dem Radar – mit hohen Kosten, aber auch hohen strategischen Gewinnen.
