Big Tech erhöht KI-Investitionen gegen steigende Kosten
Die Big-Tech-Unternehmen Google, Amazon, Microsoft und Meta planen für das laufende Jahr Investitionen von mehr als 700 Milliarden US-Dollar in die KI-Infrastruktur. Während die bevorstehende Berichtssaison diese Pläne konkretisieren, rückt eine zentrale Frage in den Vordergrund: Steigen die Ausgaben primär aufgrund gestiegener Kosten oder spiegeln sie tatsächlich eine beschleunigte Infrastrukturerweiterung wider. Fachexperten warnen vor einer steigenden Diskrepanz zwischen Budgetwachstum und messbarem Compute-Output. Die Kosten für den Aufbau von KI-Rechenzentren sind deutlich gestiegen. Schätzungen von Morgan Stanley beziffern den Anstieg bei führenden Systemen auf rund zwanzig Prozent. Eine verbreitete Nvidia-basierte Architektur kostet derzeit etwa 35 Milliarden US-Dollar pro Gigawatt, neuere Versionen sogar bis zu 49 Milliarden US-Dollar. Treiber dieser Preisentwicklung sind Engpässe bei Arbeitsspeichermodulen, Stromnetzkomponenten, Baumaterialien, qualifiziertem Fachpersonal und Energieanschlüssen. Diese Faktoren erzeugen einen sich selbst verstärkenden Effekt: Höhere Bestellungen verschärfen die Knappheit, was die Preise weiter antreibt und die Unternehmen zu noch höheren Budgetprognosen zwingt. Experten gehen davon aus, dass etwa 20 bis 30 Prozent des zusätzlichen Kapitaleinsatzes auf Inflation und gestiegene Marktpreise zurückzuführen sind, während der Hauptanteil von tatsächlichem Wachstum stammt. Allein die explodierenden Arbeitsspeicherpreise erklären nach früheren Analysen rund 45 Prozent des Budgetzuwachses der großen Cloud-Anbieter. Analysten der Cantor Fitzgerald erwarten für 2026 kaum Veränderungen an den Plänen, sehen jedoch für 2027 deutliche Steigerungen, die bei Google bei 283 Milliarden, bei Amazon bei 271 Milliarden und bei Meta bei 200 Milliarden US-Dollar liegen könnten. Brad Gastwirth von Circular Technology weist darauf hin, dass Investoren die Kapitaleinsatzzahlen kritisch hinterfragen müssen. Steigende Ausgaben allein seien kein verlässlicher Indikator für eine Beschleunigung der KI-Strategie. Entscheidend sei die parallele Entwicklung von Stromkapazitäten, GPU-Deployments, Speicherbeschaffungen, Netzwerkinfrastruktur und neuen Rechenzentrumsstandorten. Solange Big Tech durch Wettbewerbsdruck dazu gezwungen sei, nicht das Bremspedal zu betätigen, werde die Ausgabenrunde fortgesetzt. Für die Finanzmärkte bedeutet dies, dass künftige Quartalszahlen sorgfältig decodiert werden müssen, um zu unterscheiden, ob Unternehmen mehr ausgeben, um stillzustehen, oder ob echte Infrastrukturexpanion vorangetrieben wird.
