Nvidia erwägt Bürgschaft für Nscale-KI-Rechenzentrum
Nvidia verhandelt Medienberichten zufolge über die Übernahme einer Milliardenbürgschaft für die Finanzierung eines geplanten KI-Rechenzentrums des Cloudanbieters Nscale im US-Bundesstaat West Virginia. Dem Bericht von The Information, der von Bloomberg bestätigt wurde, zufolge würde der Chipkonzern im Rahmen einer sogenannten Restwertgarantie einspringen, falls Nscale Bauverpflichtungen nicht erfüllt. In diesem Fall könnte Nvidia die Anlage vorübergehend übernehmen und einen Käufer sowie einen neuen Mieter finden. Für Nvidia wäre dies eine deutlich weitergehende Unterstützung als in der Vergangenheit, da das Unternehmen Neoclouds bislang vor allem bei Leasingverträgen und Chipkäufen abgesichert hat. Im Zentrum des Projekts steht der KI-Entwickler Anthropic, der laut Nscale-Börsenprospekt bereits einen Vertrag über 44,6 Milliarden US-Dollar für das erste Gebäude des Campus unterzeichnet hat. Das Rechenzentrum soll über eine Kapazität von 460 Megawatt verfügen und mit Nvidias kommender Vera-Rubin-Generation ausgestattet werden. Beide Unternehmen verhandeln zudem über ein weiteres Geschäft von rund 45 Milliarden US-Dollar für einen weiteren Bauabschnitt. Nvidia würde mit der Garantie nicht nur seinen eigenen Chipabsatz sichern, sondern auch ein wichtiges Projekt eines strategischen Großkunden stützen. Nscale strebt einen Börsengang mit einer Bewertung von bis zu 35 Milliarden US-Dollar an, steht jedoch unter erhöhtem Druck. Das Unternehmen verfügte im August lediglich über rund 25.000 aktive KI-Beschleuniger, obwohl es langfristig fast 500.000 Einheiten einsetzen will. Der Bau des West-Virginia-Campus ist von Verzögerungen und Problemen begleitet, darunter wiederholte Überschwemmungen in der Nachbarschaft durch Bauabläufe und lange Genehmigungsverfahren. Zudem hatte Microsoft im Oktober einen geplanten Nscale-Standort in England aufgegeben, weil die Netzstromversorgung erst für die 2030er Jahre erwartet wurde. Nvidia hatte den Neocloud-Markt zuletzt breit unterstützt und insgesamt rund 170 Milliarden US-Dollar an Investitionen und Kreditzusagen bereitgestellt, darunter eine Milliarde Dollar als wandelbare Finanzierung für Nscale. Der mögliche Einstieg zeigt, wie stark der KI-Bausektor inzwischen auf die Finanzkraft großer Halbleiterkonzerne angewiesen ist. Neoclouds, die ohne eigenes cashreiches Kerngeschäft Rechenkapazität vermieten, geraten zunehmend unter Investorndruck; Aktien von CoreWeave, Nebius und IREN waren im Oktober deutlich gefallen. Auch für Anthropic wächst die Frage nach der eigenen Finanzierung: Das Unternehmen hat gerade seinen Börsengang eingeleitet, erhielt von Blackstone jedoch die Warnung, dass nach dem Börsenstart ein Kreditrating unterhalb der Investmentgrade-Bereich möglich sei. Ein solches schlechteres Rating würde die Refinanzierung verteuern und die Abhängigkeit von starken Partnern wie Nvidia erhöhen.
