Family Offices priorisieren KI-Investments
Familienverwaltungen weltweit skalieren ihre Investitionen in künstliche Intelligenz massiv um. Laut Experten wie Djoann Fal von Atlas Capital priorisieren vermögende Familien heute rasche Renditen über langfristige traditionelle Anlagen. Die Kapitalallokation falle im aktuellen Marktumfeld fast automatisch auf KI-Deals, die potenziell innerhalb von drei Monaten statt drei Jahren eine Verdreifachung des Kapitals versprechen. Dies zeuge von einem grundlegenden Strategiewechsel: Statt Geld über Jahrzehnte in Blind-Pool-Fonds zu binden, setzen Familienverwaltungen zunehmend auf direkte Beteiligungen oder den Erwerb bestehender Anteile am Sekundärmarkt. So erhalten sie Zugang zu den gefragtesten Unternehmen, ohne operative Kontrolle abzugeben oder sich an traditionelle Fondsmanager zu binden. Das Kapitalpotenzial ist erheblich. Nach Angaben von Deloitte verwalteten Familienverwaltungen im Jahr 2024 ein Vermögen von 5,5 Billionen US-Dollar, wovon bis 2030 eine Steigerung auf mindestens 9,5 Billionen erwartet wird. Der Anteil alternativer Anlagen wie Private Equity, Venture Capital und Private Credit belief sich nach dem UBS Global Family Office Report 2026 durchschnittlich auf 42 Prozent der Portfolios. Diese Entwicklung markiert eine Rückkehr nach einer Phase der Konsolidierung. Nachdem die Transaktionsaktivität 2021 mit rund 17.500 Deals im Wert von über einer Billion US-Dollar einen historischen Höhepunkt erreicht hatte, folgte bis Ende 2023 ein Rückgang um 53 Prozent aufgrund steigender Zinsen und enttäuschender Renditen. Seit dem ersten Halbjahr 2025 verzeichnet der Markt jedoch eine deutliche Erholung, charakterisiert durch größere Einzelinvestitionen bei geringerer Deal-Dichte. Besonders der Sekundärmarkt profitiert von diesem Trend. Experten wie Angelina Hu von Bridge Funding Global bewerten den Handel mit bestehenden Anteilen als die relativ risikogeringste Anlageklasse im Venture Capital, da er auf Unternehmen mit nachgewiesenem Kundenstamm und laufenden Erlösen abzielt. Die Nachfrage nach Marktführern wie Anthropic und OpenAI ist derart hoch, dass Berater wie Fal berichten, noch nie so viel Kapital für KI-Projekte sammeln müssen. Selbst Advisors mit nicht auf KI ausgerichteten Mandaten werden zunehmend in entsprechende Transaktionen einbezogen. J.P. Morgan Private Bank ermittelte im Februar, dass 65 Prozent der globalen Familienverwaltungen ihre KI-Investitionen priorisieren, trotz zunehmender Bedenken hinsichtlich überzogener Bewertungen. Die zugrundeliegende Motivation ist makroökonomisch geprägt. Angesichts geopolitischer Spannungen, steigender Staatsverschuldung und Rezessionsängsten wird KI von Investoren als eine der wenigen verlässlichen langfristigen Wachstumsperspektiven wahrgenommen. UBS-Investmentchef Maximilian Kunkel betont, dass Anleger dabei nicht zwischen Stabilität und Wachstum wählen, sondern ihr KI-Engagement durch Diversifikation über Regionen, Währungen und Assetklassen absichern. Dennoch bleiben strukturelle Risiken bestehen. Sollte die aktuelle KI-Phase als Blase enttarnt werden, drohen Kaskadeneffekte auf die breiten Aktienmärkte. Bruce K. Lee von Keebeck Wealth Management beschreibt die aktuelle Marktstimmung als renditesüchtig, wo Bedenken gegenüber Blasenbildung oft ignoriert werden, solange die Kapitalmärkte weiter aufwärts tendieren. Die aktuelle Kapitalfließrichtung markiert damit einen signifikanten Strukturwandel im privaten Anlageuniversum, der sowohl enorme Wachstumspotenziale als auch konzentrierte Marktrisiken birgt.
