New York plant AI-Disclaimers für Nachrichten mit Schutz für Journalisten
Ein neuer Gesetzesentwurf im New Yorker Parlament würde Medienunternehmen verpflichten, klare Kennzeichnungen für künstlich intelligente Nachrichteninhalte einzuführen und menschliche Überprüfung vor der Veröffentlichung zu verlangen. Senatorin Patricia Fahy (D-Albany) und Abgeordnete Nily Rozic (D-NYC) stellten den Entwurf am Montag vor, der als „New York Fundamental Artificial Intelligence Requirements in News Act“ – kurz NY FAIR News Act – bekannt ist. Ziel des Gesetzes ist es, die Integrität der journalistischen Arbeit zu schützen und das Vertrauen der Öffentlichkeit in Nachrichten zu stärken. „Im Zentrum der Medienbranche steht New York, und wir haben ein großes Interesse daran, die Journalismus-Tradition und die Arbeitnehmer, die sie tragen, zu schützen“, erklärte Rozic. Der Entwurf verlangt, dass Inhalte, die „wesentlich durch generative künstliche Intelligenz verfasst, erstellt oder zusammengestellt wurden“, mit einer klaren Kennzeichnung versehen werden müssen. Diese Forderung steht im Kontext einer breiten Debatte über die Transparenz von AI-generierten Inhalten, bei der Kritiker warnen, dass solche Hinweise Leser abschrecken könnten – selbst wenn KI nur unterstützend eingesetzt wird. Der Gesetzesentwurf enthält jedoch eine Ausnahme: Urheberrechtsfähige Inhalte, die nachweislich menschliche Kreativität zeigen, sind von der Pflicht zur Kennzeichnung ausgenommen. Dies entspricht der Entscheidung der US-amerikanischen Urheberrechtsbehörde, die ausschließlich von KI generierte Werke nicht urheberrechtlich schützt, aber Material, das menschliche Gestaltungselemente enthält, anerkennt. Zusätzlich verpflichtet der Entwurf Medienhäuser, ihre Mitarbeiter über den Einsatz von KI in der Redaktion zu informieren – einschließlich Art und Umfang der Nutzung. Alle mit KI erstellten Inhalte müssen vor der Veröffentlichung von einem menschlichen Mitarbeiter mit redaktioneller Verantwortung geprüft werden, was auch Audio, Bilder und andere visuelle Medien einschließt. Darüber hinaus müssen Sicherheitsmaßnahmen getroffen werden, um vertrauliche Informationen – insbesondere Quellenangaben – vor dem Zugriff durch KI-Systeme zu schützen. Die Initiatoren des Gesetzes begründen den Entwurf mit zwei Hauptgründen: Erstens könnten KI-generierte Inhalte falsch oder irreführend sein, zweitens seien sie oft durch Plagiat gekennzeichnet, da sie Inhalte aus Quellen übernehmen, ohne Erlaubnis oder angemessene Zitation. „Eines der am stärksten gefährdeten Branchen durch KI ist der Journalismus – und damit auch das Vertrauen der Öffentlichkeit in genaue Nachrichten“, sagte Senatorin Fahy. Laut Umfragen sind mehr als 76 Prozent der Amerikaner besorgt, dass KI Journalistenarbeit stiehlt oder nachahmt. Der Entwurf erfuhr breite Unterstützung von Gewerkschaften wie WGA-East, SAG-AFTRA und DGA. Die NewsGuild of New York bestätigte, dass sie mit einem breiten Koalitionsnetzwerk zusammenarbeitet, um die Umsetzung des Gesetzes voranzutreiben. Besonders hervorgehoben wird die Einbindung von Arbeitnehmerrechten: Der Entwurf schützt Journalisten vor Kündigungen, Lohnkürzungen oder Sozialleistungsreduktionen aufgrund von KI-Einsatz. Diese Bestimmungen sind bereits in mehreren lokalen Tarifverträgen verankert. Im Dezember hatte die NewsGuild eine nationale Kampagne „News Not Slop“ gestartet, um Grenzen für KI im Journalismus zu setzen. In New York City protestierten Mitarbeiter von Business Insider gegen einen Pilotversuch, bei dem KI-generierte Artikel mit „AI byline“ veröffentlicht wurden. „Unsere Gewerkschaft ist tief besorgt über die Art und Weise, wie Medienunternehmen KI einsetzen, was die Glaubwürdigkeit unserer Arbeit beeinträchtigt und negative Auswirkungen auf Arbeitsplätze hat“, sagte Jennifer Sheehan, Sprecherin der NewsGuild. Die Einführung des NY FAIR News Act könnte einen wichtigen Meilenstein in der Regulierung von KI im Journalismus darstellen – nicht nur in New York, sondern auch als Vorbild für andere Bundesstaaten. Die Kombination aus Transparenz, menschlicher Kontrolle und Arbeitnehmerrechtsschutz macht den Entwurf zu einem bedeutenden Versuch, Technologie und journalistische Integrität in Einklang zu bringen.
