Eufy zahlt Nutzer für Diebstahl-Videos zur AI-Ausbildung
Anker, der chinesische Hersteller hinter der Sicherheitskamera-Marke Eufy, startete im Dezember 2024 eine Aktion, bei der Nutzer für Videos von Paket- und Autodiebstählen bis zu 2 US-Dollar pro Aufnahme erhielten. Ziel war es, reale und künstlich hergestellte Diebstahlereignisse zu sammeln, um die KI-Systeme von Eufy zu trainieren. Die Kampagne, die bis Februar 2025 lief, forderte Nutzer auf, selbst Szenen nachzustellen – etwa durch das Öffnen eines Autotürs – um zusätzliche Einkünfte zu erzielen. Laut Angaben auf der Website könnten Nutzer mit einer solchen Aktion bis zu 80 Dollar verdienen, wenn zwei Außenkameras gleichzeitig ein Ereignis aufnehmen. Die gesammelten Videos sollten ausschließlich für die Verbesserung der KI-Algorithmen verwendet werden, versicherte Eufy, und nicht an Dritte weitergegeben werden. Über 120 Nutzer meldeten sich in den Kommentaren zur Kampagnenankündigung als Teilnehmer. Eine Google-Formular-Plattform diente zur Video-Übermittlung und Zahlung per PayPal. Anker und Eufy blieben jedoch auf Anfragen von TechCrunch zur Zahl der Teilnehmer, der Gesamtsumme der Auszahlungen, der Anzahl der eingesandten Videos und der Löschung der Daten nach dem Training stumm. Seitdem läuft eine ähnliche, aber umfassendere Initiative namens „Video Donation Program“ innerhalb der Eufy-App. Hier erhalten Nutzer nicht nur monetäre Belohnungen, sondern auch digitale Abzeichen wie den „Apprentice Medal“ oder physische Geschenke wie Kameras und Gutscheine. Besonders auffällig ist die „Honor Wall“, eine Rangliste, die Nutzer mit den meisten gespendeten Videos hervorhebt – der Spitzenreiter hat laut App über 200.000 Videos eingereicht. Zudem bittet Eufy Nutzer, auch Aufnahmen von Babymonitoren zu spenden, ohne jedoch dafür eine direkte Bezahlung anzubieten. Über diese Initiative wurde ebenfalls nicht Stellung genommen. Die Aktion wirft erhebliche Datenschutz- und Sicherheitsbedenken auf. Schon 2023 hatte The Verge aufgedeckt, dass Eufy die Verschlüsselung von Kamerastreams im Web-Portal nicht korrekt umgesetzt hatte, obwohl dies als „end-to-end verschlüsselt“ beworben wurde. Nach Kritik räumte Anker ein, Nutzer getäuscht zu haben, und versprach eine Korrektur. Diese Vergangenheit lässt Zweifel an der Seriosität der aktuellen Datenschutzversprechen aufkommen. Industrieanalysten warnen davor, dass solche Aktionen ein Risiko für die Privatsphäre darstellen, besonders wenn Nutzer verleitet werden, sensible Situationen zu reproduzieren. Zudem zeigen Vorfälle wie der Sicherheitsvorfall bei Neon – einem Anruf-App-Start-up, das Nutzer für Call-Aufzeichnungen bezahlte und später offline ging, weil Datenlecks auftraten –, wie schnell solche Systeme missbraucht werden können. Obwohl Eufy betont, dass die Videos ausschließlich für KI-Training genutzt werden, fehlt jegliche Transparenz über die Datenspeicherung und -löschung. Die Initiative verdeutlicht, wie Unternehmen zunehmend bereit sind, Nutzerdaten zu monetarisieren – auch durch künstliche Ereignisse –, was neue ethische und technische Herausforderungen aufwirft.
