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Ex-Amazon-Gründer: AI-Startup erfordert radikale Denkshifts

Andy Ratsirason und Shalini Aggarwal, ehemalige Amazon-Mitarbeiter, gründeten 2024 gemeinsam Tenafli, ein KI-Startup mit Fokus auf intelligente Begleiter für ältere Menschen. Aggarwal, 50, hatte sich nach einer Karriere im Produkt- und Programmanagement bei Amazon entschieden, ihre letzte Phase dort mit der Entwicklung von KI-gestützten Musikempfehlungen zu verbringen. Ihr Entscheidungsprozess war emotional geprägt: Nach dem Tod ihrer Mutter und der Einsamkeit ihres Vaters während der Pandemie entstand die Idee, eine personalisierte KI-Companion zu schaffen, die Alltagstätigkeiten plant und so soziale Isolation verringern kann. Der KI-Boom und ihr 50. Geburtstag wurden der endgültige Anstoß, im September 2024 von Amazon zu gehen. Ratsirason, 37, war zuvor 2014 und 2020 bei Amazon tätig, um sich in der Silicon-Valley-Ökonomie zu etablieren. Nach einer Rückkehr 2020 und einer weiteren Trennung 2023, suchte er eine Co-Gründerin. Als er Aggarwal auf LinkedIn beobachtete, die sich aktiv mit Startup-Themen beschäftigte, kontaktierte er sie – und so begann ihre Zusammenarbeit. Beide mussten tiefgreifende mentale Umstellungen vornehmen. In der Big-Tech-Welt war der „Build-first“-Ansatz dominierend: Produkte wurden entwickelt, weil sie technisch machbar waren, nicht weil sie nachgefragt wurden. Bei Tenafli stellte sich bald heraus, dass ein „schönes“ Produkt ohne Nutzerinteresse nichts wert ist. Nach einem Launch, bei dem kaum Nutzer auftraten, veränderten sie ihre Strategie: Sie begannen frühe Kundeninterviews, Testverteilungen und Wartelisten, bevor sie in die Entwicklung investierten. Zudem mussten sie lernen, frugal zu sein. Obwohl sie Zugang zu Programmen wie AWS Activate, Nvidia Inception und Google Cloud Credits erhielten, verbrauchten sie schnell große Teile ihrer Kreditsummen durch Überprovisionierung und laufende Ressourcen. Daraufhin implementierten sie Budget-Alarme, automatisierte Abschaltprozesse und nutzten lokal betriebene Maschinen für Tests, um Cloud-Kosten zu minimieren. AI wurde zu einem zentralen Werkzeug. Statt stundenlang Literatur zu lesen, nutzen sie KI, um relevante Forschung zu filtern und zusammenzufassen – so konnten sie Zeit für Kundengespräche und Netzwerke gewinnen. Zudem reduzierte KI den Bedarf an Fachkräften: AI fungiert als Junior-Entwickler, übernimmt Codierung nach klaren Spezifikationen, und ermöglicht es, komplexe Produkte mit nur zwei Ingenieuren und geringem Budget zu bauen. Aggarwal verzichtet auf einen UI-Designer, da sie mit KI schnell Prototypen erstellen und testen kann. Ihre Big-Tech-Erfahrung war sowohl Vorteil als auch Hindernis. Sie kannten Skalierungsprozesse, aber verloren sich anfangs in der Annahme, dass Infrastruktur und Tools immer verfügbar seien. Auch der Ruf von Amazon wirkte zweischneidig: Manche nahmen an, sie würden kleine Startups nicht verstehen. Der größte mentale Schritt war jedoch das Loslassen von Perfektionismus. In Big Tech wurde erwartet, „saubere“ Produkte zu liefern – doch in der frühen Phase zählt vor allem: Ist das Problem wirklich vorhanden? Die Erkenntnis: Das größte Risiko ist nicht ein „roher“ Prototyp, sondern ein Produkt, das niemand braucht. In der KI-Ära ist es möglich, mit minimalen Ressourcen schnelle, wertvolle Lösungen zu testen. Ratsirason und Aggarwal zeigen, dass der Wechsel von Big Tech zu einem Startup nicht nur eine berufliche, sondern eine tiefgreifende mentale Transformation erfordert – und dass KI heute nicht nur die Produktentwicklung, sondern auch die Gründungshaltung revolutioniert.

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