Creative Commons unterstützt pay-to-crawl-Systeme mit Vorbehalten
Creative Commons (CC) hat eine vorläufige Unterstützung für „Pay-to-Crawl“-Systeme angekündigt, bei denen KI-Webcrawlers für den Zugriff auf Website-Inhalte Gebühren zahlen sollen. Dies stellt einen bedeutenden Schritt im Rahmen der von CC im Juli vorgestellten Initiative zur Schaffung eines offenen KI-Ökosystems dar, das datenbasierte Zusammenarbeit zwischen Unternehmen und KI-Anbietern regeln soll. Die Organisation begrüßt das Konzept „vorsichtig“, da es potenziell dazu beitragen könnte, Inhaltschaffende zu entlohnen und die Nachhaltigkeit von Webinhalten zu sichern – besonders in einer Zeit, in der KI-Modelle Inhalte ohne direkte Gegenleistung nutzen, was viele Publisher finanziell schwer trifft. Während frühere Suchmaschinen wie Google durch Indexierung Traffic für Websites generierten, führt heute die Nutzung von KI-Chats dazu, dass Nutzer direkt bei der Antwort bleiben und selten zur Quelle zurückkehren. Dies hat zu einem massiven Rückgang von Suchverkehr und damit zu Einnahmeverlusten geführt. Pay-to-Crawl könnte kleinere Publisher unterstützen, die keine Verhandlungsmacht gegenüber großen KI-Unternehmen haben, wie etwa OpenAI, Meta oder Amazon, die bereits Einzelabkommen mit Medienhäusern wie Condé Nast, The New York Times oder Gannett geschlossen haben. Unternehmen wie Cloudflare treiben das Konzept voran, während Microsoft an einem KI-Marktplatz für Publisher arbeitet und Startups wie ProRata.ai und TollBit ähnliche Lösungen entwickeln. Zusätzlich hat die RSL Collective einen neuen Standard namens Really Simple Licensing (RSL) vorgestellt, der definiert, welche Inhalte Crawlers zugänglich sind, ohne sie zu blockieren – eine weniger strenge Alternative zum vollständigen Zugriffsverbot. Cloudflare, Akamai, Fastly sowie Medienunternehmen wie Yahoo und O’Reilly haben RSL bereits übernommen. CC betont jedoch, dass solche Systeme mit Vorsicht einzusetzen sind. Es besteht die Gefahr, dass Macht und Kontrolle über den Zugang zu Informationen in wenigen Händen konzentriert werden, was Forscher, Bildungseinrichtungen und kulturelle Institutionen benachteiligen könnte. Daher fordert CC klare Grundsätze: Pay-to-Crawl sollte kein Standard-Feature sein, keine pauschalen Regeln für das gesamte Web schaffen, Zugriff durch Drosselung statt vollständiger Blockierung ermöglichen und öffentliche Interessen erhalten. Zudem sollen die Systeme offen, interoperabel und auf standardisierten Komponenten basieren. Die Unterstützung von CC für RSL und deren Projekt CC Signals zeigt, dass die Organisation aktiv daran arbeitet, technische und rechtliche Rahmenbedingungen für eine gerechtere KI-Nutzung von Webinhalten zu schaffen – ohne dabei die Grundprinzipien der Offenheit und Zugänglichkeit zu gefährden.
