US-Partner investieren 1,8 Mrd. Dollar in KI-Biodaten
Die Biohub Foundation, gestiftet von Mark Zuckerberg und Priscilla Chan, hat ihre Virtual Biology Initiative mit Wirkung zum 7. Oktober deutlich ausgeweitet. Im Rahmen dieser Kooperation bündeln das US-Energieministerium, die National Institutes of Health, Google DeepMind, Isomorphic Labs und Meta rund 1,8 Milliarden US-Dollar, um eine offene Dateninfrastruktur für KI-gestützte Zellbiologie zu schaffen. Das US-Energieministerium plant über fünf Jahre mehr als 500 Millionen US-Dollar zu investieren, Biohub stellt 500 Millionen bereit, während die Technologiekonzerne 300 Millionen US-Dollar einbringen. Die NIH integriert bestehende föderale Forschungsdaten. Im Fokus steht die Entwicklung virtueller Zellmodelle, die das digitale Abbild biologischer Systeme bilden sollen. Ziel ist es, mittels künstlicher Intelligenz vorherzusagen, wie Zellen auf Arzneimittel, Genom-Editierung oder Umwelteinflüsse reagieren. Bisher fehlt es an standardisierten Datensätzen, die nicht nur statische Zellzustände, sondern dynamische Reaktionen auf Interventionen abbilden. Biohub und die Partner konzentrieren sich daher auf die Erzeugung multimodaler Daten durch kryoelektronische Tomographie, großflächige Mikroskopie und hochdurchsatzfähige Gen- sowie Wirkstoffscreening-Plattformen. Die Daten sollen nach einem festgelegten Zeitfenster kommerziell vorrangig nutzbar sein, bevor sie vollständig der Forschungsgemeinschaft offenstehen. Die wissenschaftliche Leitung obliegt Alex Rives, Mitbegründer von EvolutionaryScale und ehemaliger Meta-Forscher, welcher bereits mit Modellen wie ESM3 und ESM-Atlas bedeutende Fortschritte in der Proteinforschung erzielt hat. Die Initiative markiert einen strategischen Wandel von reinen Datenanalysen hin zur aktiven Datenerzeugung in biologischen Laboren. Dieser Trend setzt sich in der Branche fort, wo auch andere KI-Unternehmen zunehmend eigene experimentelle Kapazitäten aufbauen. Trotz der massiven Investitionen bleibt unklar, ob klassische Skalierungsgesetze aus der Informatik auf die Zellbiologie übertragbar sind. Experten betonen, dass die experimentelle Ausgestaltung und Datenqualität entscheidender sind als reine Datenmengen. Die Biohub Foundation plant, innerhalb eines Jahres erste große Datensätze zu veröffentlichen und die Modellentwicklung über die nächsten fünf Jahre voranzutreiben. Der Erfolg des Vorhabens wird letztlich davon abhängen, ob es gelingt, kausale biologische Zusammenhänge aus komplexen Datensätzen für die KI fruchtbar zu machen und so die Medikamentenentwicklung sowie die Grundlagenforschung nachhaltig zu beschleunigen.
