KI erkennt Mutationen für zielgenaue Lungenkrebstherapie
Wissenschaftler der Universität Edinburgh und des NHS Lothian haben ein neuartiges Diagnoseverfahren vorgestellt, das die präzise Vorhersage von EGFR-Mutationen bei Lungenkrebs ermöglicht, ohne auf herkömmliche Labormethoden angewiesen zu sein. Die Studie, veröffentlicht im Fachjournal Cancer Research, kombiniert die Fluoreszenzlebensdauermikroskopie mit künstlicher Intelligenz. Dabei analysieren Algorithmen natürliche Lichtsignale unbehandelter Gewebeproben, um spezifische genetische Veränderungen mit hoher Genauigkeit zu identifizieren und die beiden für die Therapieentscheidung relevanten EGFR-Mutationsvarianten sicher zu unterscheiden. Das Verfahren adressiert einen akuten Engpass in der modernen Onkologie: Durch erweiterte Früherkennungsprogramme steigen die Fallzahlen früh entdeckter Tumoren, was Diagnostikzentren vor große Herausforderungen stellt. Herkömmliche Gen-Sequenzierungen benötigen oft wertvolles Biopsie-Material, sind kostspielig und dauern Wochen. Der neue Ansatz arbeitet dagegen zerstörungsfrei. Da keine chemische Färbung oder genetische Aufbereitung erforderlich ist, bleibt die Gewebeprobe intakt und kann für weitere Analysen genutzt werden. Gleichzeitig beschleunigt die Methode den Diagnoseprozess erheblich. Wie die Forschungsteams um Professor Ahsan Akram und Dr. Qiang Wang betonen, könnten Kosten erheblich gesenkt und Bearbeitungzeiten von Wochen auf Minuten reduziert werden. Dies ist insbesondere für Gesundheitssysteme mit eingeschränktem Zugang zu komplexer Molekulardiagnostik von großer Bedeutung. Dr. David Dorward vom NHS Lothian unterstreicht die klinische Relevanz: Die Technologie liefere schnell mehr Informationen aus kleineren Probenmengen und entlaste so die diagnostischen Kapazitäten. Die Forscher arbeiten nun an der klinischen Validierung des Verfahrens. Ziel ist die Integration in bestehende klinische Arbeitsabläufe sowie die Erweiterung der Plattform auf weitere Krebsarten und zielbare Mutationen. Mit diesem Ansatz ließe sich ein einzelner, nicht-invasiver Scan etablieren, der Kliniker umgehend über Krebsvorliegen, Tumortyp und das Ansprechen auf gezielte Therapien aufklärt. Dies würde den Weg zu einer patientenindividuellen, beschleunigten Behandlung ebnen und Versorgungslücken in Regionen mit limitiertem Testangebot schließen.
