Chinesische AI-Gründer nutzen Rednote für Networking und Werbung
Seit dem Aufstieg von ChatGPT hat die chinesische App Rednote, auch bekannt als Xiaohongshu, sich von einer Plattform für Beauty- und Shopping-Reviews zu einem zentralen Forum für technische Diskussionen, insbesondere im Bereich Künstliche Intelligenz, entwickelt. Ursprünglich 2013 gegründet, hat sich die App – ursprünglich als „Little Red Book“ bekannt – zu einem wichtigen digitalen Treffpunkt für chinesische Tech-Profis im Silicon Valley und weltweit etabliert. Besonders beliebt ist sie bei Entwicklern, Gründern und Tech-Enthusiasten, die hier über neue KI-Modelle, Arbeitsbedingungen bei Big Tech und Startup-Strategien berichten. Laut Rednote hat sich die technische Inhaltsproduktion in den vergangenen 12 Monaten mehr als verdoppelt, während die Zahl an Tech-Content-Erstellern sich mehr als verdreifacht hat. Gründer wie Brandon Chen, CEO und Mitbegründer der KI-Chat-App Intent, nutzen Rednote nicht nur zur Community-Bildung, sondern auch zur Produktentwicklung und Rekrutierung. Als Chen letztes Jahr für ein US-Visum Dokumente organisieren musste, entwickelte er eine KI-Lösung, die er auf Rednote veröffentlichte. Die Reaktion war überwältigend: Nutzer fragten nach einer App-Version, was zu dem Produkt Riffo führte. Innerhalb von 15 Minuten erhielt er nach einer Anfrage nach japanischsprachigen Mitarbeitern eine Antwort – ein klares Zeichen für die hohe Reaktionsgeschwindigkeit und Bindung der Community. Auch Qian Chen, Mitbegründerin des Tech-Medienunternehmens Valley101, nutzt die Plattform, um Inhalte über Themen wie KI-Layoffs bei Meta oder die Konkurrenz zwischen ChatGPT und Google zu verbreiten, wobei Rednote besonders starke Reichweite erzielt. Andere Gründer wie Bill Zhu von Pokee AI berichten, dass Rednote ihnen ermöglicht, authentische Verbindungen zu Nutzern aufzubauen, Feedback zu erhalten und ihre Fundraising-Reise transparent zu teilen. Die Plattform fördert eine Kultur des „ehrlichen Teilens“, die besonders bei AMAs (Ask-Me-Anything-Events) mit Experten wie Thomas Wolf von Hugging Face beliebt ist. Rednote hat zudem eine AI-Übersetzungs-Funktion eingeführt, die Posts automatisch in mehrere Sprachen übersetzt – ein entscheidender Faktor für die wachsende internationale Nutzerbasis. In der Schulanfangszeit 2023 initiierte die App eine „AI-Guide“-Kampagne mit 20 Professoren, um Wissen über KI im Bildungsbereich zu verbreiten. Die Plattform zieht zunehmend auch US-amerikanische Gen-Z-Nutzer an, insbesondere nach der Angst vor einem TikTok-Bann im Januar. Über die Hälfte der Nutzer sind nach 1995 geboren. Für Branchenexperten wie Tony Peng von Recode China AI ist Rednote heute eine unverzichtbare Quelle für echte, nutzergenerierte Feedbacks zu KI-Entwicklungen – ein „Fenster in die reale Nutzererfahrung“. Rednote ist mehr als eine soziale App: Sie ist ein dynamisches Ökosystem für technische Innovation, Community-Bildung und internationale Vernetzung, das die Grenzen zwischen Kultur, Sprache und Technologie immer fließender macht.
