AI-beschleunigte Finanzkriminalität überfordert Fachkräfte – ACAMS-Report warnt vor wachsendem Schutzdefizit
Die jährliche Global Anti-Financial Crime Threats Report von ACAMS hat erneut eine deutliche Kluft zwischen den fortschreitenden Methoden finanzieller Kriminellen und den Fähigkeiten der Fachkräfte im Bereich Anti-Finanzkriminalität (AFC) aufgezeigt. Laut einer Umfrage unter 1.400 AFC-Experten aus über 200 Jurisdiktionen sehen drei von vier Befragten die missbräuchliche Nutzung von generativen KI- und Sprachmodellen (LLMs) als erhebliche externe Bedrohung. Mehr als die Hälfte der Befragten erwartet, dass bis 2026 regulatorische Rahmenbedingungen für KI in der Finanzwelt deutlich verändert werden. Die Studie unterstreicht, dass sich technologische Innovation, geopolitische Spannungen und kriminelle Anpassungsfähigkeit zunehmend verbinden und neue, komplexere Bedrohungen hervorbringen, die die bestehenden Schutzmaßnahmen überfordern. Die Top fünf Bedrohungen für 2026 sind: die Nutzung von generativen KI durch transnationale Kriminalnetzwerke, AI-gestützte Identitätsbetrug, eine zunehmend multipolare und instabile geopolitische Lage, die Ausweitung von Sanktions- und Exportkontrollvermeidung zu einem systemischen Risiko sowie die technologische Modernisierung unterirdischer Bankensysteme. Fachleute berichten zudem über erhebliche Hindernisse: Mangel an fortschrittlichen Analysetools, Ermüdung und niedrige Motivation des Personals, interne Daten- und Abteilungssilos sowie fragmentierte Dateninfrastrukturen. Justine Walker, Executive Vice President of Thought Leadership bei ACAMS, betont, dass die Bedrohungen kontinuierlich zunehmen und sich in neue Sektoren ausbreiten, weshalb Zusammenarbeit und Wissensaustausch entscheidend sind. Neil Sternthal, CEO von ACAMS, unterstreicht, dass die Skalierung und Komplexität der Angriffe allein nicht von Fachkräften bewältigt werden können – es bedarf verstärkter grenzüberschreitender Kooperation, harmonisierter Standards und kontinuierlicher Weiterbildung. Die Report 2026 ist ausschließlich für die über 120.000 Mitglieder von ACAMS verfügbar und basiert auf Erkenntnissen aus globalen Konferenzen und Führungsrunden in Finanzzentren wie den USA, Großbritannien, Europa, Hongkong, den Vereinigten Arabischen Emiraten und Japan. Die Inhalte prägen ACAMS-Programme wie Webinare, Schulungen und Zertifizierungen. Die Organisation bietet mit dem CAMS-Zertifikat die weltweit anerkannte Qualifikation für AFC-Fachleute, ergänzt durch CGSS (Sanktionen), CAFS (Betrug) und CCAS (Krypto). Mit über 65 regionalen Kapiteln fördert ACAMS weltweit den Austausch und die Ausbildung. Industrieexperten sehen die Berichtsergebnisse als dringendes Warnsignal: Die rasche Entwicklung von KI-basierten Betrugsmethoden überfordert traditionelle Abwehrmechanismen. Fachleute betonen, dass nur durch eine enge Zusammenarbeit zwischen öffentlichen und privaten Akteuren, standardisierte Schulungsprogramme und Investitionen in intelligente Analyse-Tools die Resilienz des globalen Finanzsystems gesichert werden kann. ACAMS positioniert sich als zentraler Treiber dieser Entwicklung – durch Wissensplattformen, Zertifizierungen und globale Netzwerke.
