Oracle finanziert AI-Expansion für OpenAI-Deal
Oracle hat sich mit einem ambitionierten Finanzplan auf den Weg gemacht, um seine strategische Allianz mit OpenAI zu stützen – einer Vereinbarung, die über fünf Jahre und mit einem Gesamtwert von 300 Milliarden US-Dollar laufen soll. Der Kern dieser Partnerschaft liegt darin, dass Oracle nicht selbst die Rechenzentren betreibt, sondern die Hardware bereitstellt, die für die künstliche Intelligenz-Infrastruktur von OpenAI genutzt wird. Diese wird in den sogenannten Stargate-Rechenzentren in Abilene, Texas, von Crusoe betrieben. Oracle übernimmt die Aufgabe, die benötigte Hardware – insbesondere GPU-basierte Systeme von Nvidia und möglicherweise AMD – zu beschaffen und zu installieren. Dafür braucht das Unternehmen jedoch erhebliche Mittel. Obwohl Oracle über ein beträchtliches Cash-Reservoir von 19,8 Milliarden US-Dollar verfügt – zuletzt durch eine Anleiheemission von 18 Milliarden US-Dollar im September 2025 – reicht das nicht aus, um die für 4,5 Gigawatt AI-Leistung notwendigen Investitionen zu finanzieren. Daher plant Oracle, im Jahr 2026 zwischen 45 und 50 Milliarden US-Dollar über eine Kombination aus Eigenkapital, Anleihen und wandelbaren Vorzugsaktien aufzubringen. Davon sollen 15 bis 20 Milliarden durch die Ausgabe neuer Aktien gedeckt werden, was die bestehenden Anteilseigner um weniger als fünf Prozent dilutieren dürfte. Zudem sollen etwa fünf Milliarden an wandelbaren Vorzugsanteilen und rund 25 Milliarden an „investment-grade“ Senior Unsecured Bonds emittiert werden. Diese Finanzierung ist notwendig, da Oracle mit einer Verschuldung von 124,4 Milliarden US-Dollar und einer Kreditwürdigkeit von BBB (S&P) begrenzte Möglichkeiten hat, weiteren Schuld zu aufzunehmen. Die Finanzierung ist somit ein zentraler Baustein, um die Hardware für OpenAI rechtzeitig bereitzustellen – ohne dass OpenAI vorab zahlt, sondern erst nach Nutzung der Infrastruktur. Die Rechnung scheint aufzugehen: Bei einer Schätzung von 60 Milliarden US-Dollar pro Gigawatt für hochleistungsfähige AI-Rechenzentren beläuft sich die Gesamtkosten für 4,5 Gigawatt auf rund 270 Milliarden US-Dollar. Davon entfallen etwa 135 Milliarden auf die Hardware. Mit 300 Milliarden US-Dollar an zukünftigen Mieteinnahmen aus OpenAI könnte Oracle seine Investitionen amortisieren und im Laufe der Zeit Gewinne erzielen. Die Erträge aus den ersten Jahren sollen dabei in die weitere Expansion der Infrastruktur fließen, sodass der Peak der Kapazität im dritten oder vierten Jahr erreicht wird. Im fünften Jahr könnte die gesamte Hardware installiert sein, und die Einnahmen könnten sich in reine Gewinne verwandeln. Ein weiterer Vorteil: Nach Ablauf des Vertrags steht die Hardware Oracle zur Verfügung und kann an seine über 430.000 Enterprise-Kunden vermarktet werden – gerade zu einem Zeitpunkt, an dem KI in Datenbanken, Middleware und Anwendungen allgegenwärtig wird. Dadurch könnte Oracle nicht nur als Cloud-Anbieter, sondern auch als KI-Infrastruktur-Provider dominieren. Langfristig könnte der Konzern sogar selbst Modellbauer werden – eine strategische Wende, die an die frühere Herausforderung von IBM im Datenbankbereich erinnert. Ob die Finanzierung ausreicht, hängt von der Leistungsfähigkeit der Partner wie Crusoe und SoftBank ab. Sollte die Infrastruktur nicht rechtzeitig fertig werden, müsste Oracle möglicherweise selbst in die Rechenzentrumsentwicklung einsteigen – was erneut Milliarden erfordern würde. Doch bislang scheint der Plan realistisch: Mit der Kombination aus Cash-Fluss aus dem Softwaregeschäft, der Finanzierung und den zukünftigen Einnahmen aus OpenAI könnte Oracle die nächste Ära der KI-Infrastruktur mitgestalten. Industrieanalysten sehen in der Strategie ein kühnes, aber riskantes Unterfangen. „Oracle setzt auf eine Art „Pay-as-you-go“-Infrastruktur, die auf Kredit basiert und auf zukünftige Einnahmen setzt“, sagt ein Experte von Gartner. „Das ist nur machbar, wenn OpenAI seine Verpflichtungen einhält und die Nachfrage nach KI-Rechenleistung weiter steigt.“ Die Fähigkeit, die Hardware effizient zu nutzen und zu skalieren, wird entscheidend sein. Oracle hat zwar die Kundenbasis, aber die technische und finanzielle Umsetzung bleibt eine Herausforderung. Dennoch: Mit der OpenAI-Allianz hat Oracle eine Chance, nicht nur mitzumachen, sondern die Kontrolle über die KI-Infrastruktur zu übernehmen.
