Putins KI-Ambitionen: Russland kämpft im Wettlauf um Führung
Während Wladimir Putins Vision einer globalen Führung in künstlicher Intelligenz (KI) in den frühen 2020er Jahren noch ambitioniert erschien, gerät Russland heute zunehmend in eine strategische Defensive. Die Kriegsoperation in der Ukraine und die anschließenden umfassenden westlichen Sanktionen haben die russische KI-Entwicklung schwer beschädigt. Zugang zu hochwertigen Halbleitern, fortschrittlicher Software und internationalen Forschungsnetzwerken wurde massiv eingeschränkt. Insbesondere die Abhängigkeit von westlichen Chips – vor allem aus den USA und Taiwan – hat die Entwicklung leistungsfähiger KI-Systeme praktisch unmöglich gemacht. Unternehmen wie Nvidia, die für die Trainingsinfrastruktur von KI-Modellen entscheidend sind, wurden durch Exportbeschränkungen ausgeschlossen. Infolge dieser Isolation hat Russland seine strategische Abhängigkeit von China deutlich erhöht. Peking wird nun zum zentralen Partner in der KI-Entwicklung, nicht nur als Lieferant von Hardware, sondern auch als Kooperationspartner in Forschung und Infrastruktur. Chinesische Unternehmen wie Huawei und Alibaba bieten russischen Institutionen Zugang zu KI-Plattformen, Cloud-Diensten und sogar zu Trainingsmodellen, die auf westlichen Standards basieren. Zudem haben russische Forscher verstärkt mit chinesischen Kollegen an Projekten zur militärischen Anwendung von KI gearbeitet – etwa in der Entwicklung autonomer Drohnen oder intelligenter Waffensysteme. Trotz dieser Kooperationen bleibt die russische KI-Industrie jedoch hinter den globalen Spitzenleistungen zurück. Die nationale KI-Strategie, die 2019 vorgestellt wurde und auf eine selbstständige Entwicklung setzte, ist aufgrund fehlender Investitionen, ausländischer Fachkräfte und technischer Infrastruktur weitgehend zum Stillstand gekommen. Die Zahl der qualifizierten KI-Ingenieure ist rückläufig, und die Forschung wird zunehmend auf militärische Anwendungen fokussiert, was die Innovationskraft im zivilen Bereich weiter schwächt. Die Abhängigkeit von China birgt auch Risiken: Russland könnte künftig nicht nur technisch, sondern auch politisch von Peking abhängig werden. Zudem sind chinesische KI-Systeme oft nicht kompatibel mit russischen Standards, was zusätzliche Integrationsschwierigkeiten schafft. Dennoch bleibt China der einzige verfügbare Partner, der über die notwendige Infrastruktur und Technologie verfügt. Industrieanalysten sehen in der Entwicklung eine klare Verschiebung der globalen KI-Machtbalance. Während die USA und China weiterhin die technologischen Spitzenpositionen besetzen, gerät Russland zunehmend in den Schatten. „Russland hat versucht, sich in die KI-Runde zu setzen, aber die Sanktionen haben die Tür geschlossen“, sagt ein Experte der Stiftung für Internationale Beziehungen in Moskau. „Jetzt ist es auf China angewiesen – und damit auf einen Partner, der selbst keine Interessen an einer russischen KI-Souveränität hat.“ Die russische KI-Industrie bleibt daher auf einem niedrigen Niveau, mit begrenzten Fortschritten und einer starken Fokussierung auf militärische Anwendungen. Die Ambitionen Putins auf KI-Hegemonie sind damit in eine Realität der technologischen Isolation und strategischen Abhängigkeit umgeschlagen.
