Current AI baut kostenlose Open-Source-KI-Infrastruktur
Die Nonprofit Current AI verfolgt das Ziel, eine dezentrale und öffentlich zugängliche KI-Infrastruktur zu etablieren, die als kostenloses Pendant zum ursprünglichen World Wide Web fungieren soll. Gegründet im Februar 2025 von Martin Tisne und unter der Leitung von CEOin Ayah Bdeir, die zuvor die KI-Strategie von Mozilla verantwortete, betreibt das Projekt eine öffentlich-private Partnerschaft mit einem gebündelten Förderbudget von insgesamt 400 Millionen US-Dollar. Wesentliche Finanzierungsgeber sind neben der französischen Regierung die Ford- und MacArthur-Stiftung sowie DeepMind und Salesforce. Im Mittelpunkt steht die Bewahrung sprachlicher und kultureller Vielfalt vor der kommerziellen Monopolisierung durch Big Tech. Bdeir kritisiert, dass dominante KI-Systeme primär englischsprachige Daten verwenden und Märkte expandieren, statt lokale Gemeinschaften datenschutzkonform einzubeziehen. Current AI reagiert darauf mit einem Open-Source-Ansatz, der Modelle und Daten dezentral und länderspezifisch bereitstellt. Die Gemeinschaft behält die Hoheit über ihre digitalen Ressourcen. Entwicklungsprozesse sind verpflichtend von lokalen Expert:innen zu begleiten und um flexible Einwilligungsprotokolle zu erweitern, sodass Gemeinschaften den Prozess jederzeit stoppen können. Konkretisiert wird diese Vision durch mehrere parallele Initialzündungen. Auf dem India AI Summit im Februar präsentierte Current AI gemeinsam mit der indischen Regierungseinrichtung Bhashini das Gerät Suno Sutra. Es handelt sich um ein taschengroßes, offline-fähiges Gerät, das KI-Funktionen in 22 indischen Sprachen bereitstellt und ohne Internetverbindung auskommt. Einen Monat später erfolgte in Genf bei der AI for Good Conference die Vorstellung von Alpha Chat, einem open-source KI-Chatbot, der in sieben Wochen von einem Konsortium unter anderem mit Hugging Face, Mozilla und dem MIT Media Lab entwickelt wurde. Zudem wurde eine strategische Partnerschaft mit dem japanischen Startup Sakana AI bekannt gegeben, die gemeinsam eine souveräne Open-Source-KI-Stack-Architektur aufbauen soll, welche speziell japanische sowie weitere im Globalen Süden vernachlässigte Sprachen und Kulturen unterstützt. Parallel dazu wurde eine erste Förderrunde in Höhe von 3,2 Millionen US-Dollar an vier Organisationen in Kenia, dem Libanon und Brasilien ausgeschüttet. Die Projekte konzentrieren sich auf den Bau mehrsprachiger Datensätze für Landwirtschaft, Gesundheit und Bildung, die digitale Sicherung arabischer Kulturgüter unter kommunaler Kontrolle, die Entwicklung offline-KI-Tools für indigene Gemeinschaften im Amazonasgebiet sowie die Schaffung von Audit-Tools zur Überprüfung von KI-Systemen in Afrika. Bdeir betont, dass technologischer Fortschritt im Kontext von Current AI nicht allein an der Skalierbarkeit, sondern an der nachhaltigen Ermächtigung lokaler Wissensbewahrer gemessen werde. Durch die Kombination aus offenem Code, lokaler Datensouveränität und gemeindebasierten Entwicklungsprozessen soll vermieden werden, dass technologische Komplexität als Rechtfertigung für die Zentralisierung von KI-Macht durch staatliche oder kommerzielle Akteure dient. Das Projekt etabliert damit ein neues Paradigma für öffentlich finanzierte, kulturell respektante und technisch transparente KI-Infrastrukturen.
