KI-Finanzberatung hilft oder irreführt Anleger
Eine aktuelle Studie der Universität Bayreuth, veröffentlicht als CESifo-Arbeitspapier, analysiert die Wirksamkeit künstlicher Intelligenz in der Finanzberatung. Unter der Leitung von Dr. Fabian Herweg untersuchten die Forschenden das Ausmaß, in dem KI Entscheidungen von Anlegern verbessern oder systematisch fehlleiten kann. Der Online-Versuch mit 3.700 Teilnehmenden stellte diese vor eine realistische Anlageentscheidung: die Auswahl zwischen zwei Fonds mit identischer Indexabbildung, jedoch unterschiedlichen Gebührenstrukturen. Der Versuch war vollständig monetär anreizgesteuert. Die Probanden trafen ihre Wahl entweder eigenständig oder mit Unterstützung durch einen neutralen KI-Chatbot, einen bankgebundenen KI-Bot oder einen menschlichen Finanzberater. Die Beratenden erhielten dabei entweder die korrekte Empfehlung oder wurden absichtlich falsch instruiert. Ohne Beratung wählten rund 64 Prozent der Teilnehmenden den kostengünstigeren Anbieter. Eine korrekte KI-Empfehlung steigerte diese Rate auf etwa 87 Prozent. Wurde die KI hingegen manipuliert, fiel die Quote korrekter Entscheidungen auf 34 Prozent. Die Offenlegung potenzieller Interessenkonflikte, etwa durch die Kennzeichnung als Bank-KI, milderte den Einfluss der Falschberatung nicht messbar. Besonders auffällig ist der persuasivere Effekt der künstlichen Intelligenz im Vergleich zu menschlichen Beratern. Sowohl finanziell unerfahrene als auch erfahrene Anleger folgten den KI-Empfehlungen stärker als den Ratschlägen von Fachpersonen. Selbst bei Probanden mit hoher finanzieller Literalität und niedrigerer Risikobereitschaft sank die Trefferquote bei falscher KI-Ansprache von über 87 Prozent auf unter 50 Prozent. Die Studie belegt damit, dass hochwertige KI-Tools nicht nur Wissenslücken bei Laien schließen, sondern auch kompetente Anleger von ihren ursprünglich richtigen Entscheidungen abbringen können. Die Forschenden unterstreichen, dass reine Transparenz über den KI-Einsatz keinen ausreichenden Schutz darstellt. Entscheidend seien die hinter den Systemen stehenden Zielvorgaben und wirtschaftlichen Interessen. Dr. Herweg betont, dass KI-gestützte Beratungsangebote streng an Kundeninteressen auszurichten und durch kontinuierliche Monitoring- sowie Auditierungsmechanismen abzusichern seien. Die Ergebnisse weisen auf dringenden Regulierungsbedarf hin, um Missbrauchspotenziale in automatisierten Finanzentscheidungen wirksam zu begrenzen. Die Erkenntnisse verdeutlichen die zentrale Rolle von KI als Entscheidungsinstrument, dessen Nutzen ausschließlich von der algorithmischen Ausrichtung und nicht von der bloßen Präsenz der Technologie abhängt.
