Salesforce launcht Agentforce 360 im Wettbewerb um Unternehmens-KI
Salesforce hat am Montag die neueste Version seines KI-Agenten-Plattformen, Agentforce 360, vorgestellt, um im zunehmend heftigen Wettbewerb um Unternehmens-KI-Software einen Vorsprung zu erlangen. Die Ankündigung erfolgte vor der jährlichen Dreamforce-Konferenz, die am 14. Oktober beginnt. Agentforce 360 erweitert die Funktionalität der Plattform durch eine neuartige Text-basierte Steuerung von KI-Agenten, eine zentrale Entwicklungsumgebung namens Agentforce Builder und eine tiefgreifende Integration in Slack. Ein zentrales Element ist der neue Prompting-Tool „Agent Script“, der Anfang November in der Beta-Phase erscheint. Er ermöglicht es Nutzern, KI-Agenten flexibler zu programmieren, insbesondere für „Wenn-Dann“-Szenarien, wie sie bei Kundenanfragen häufig vorkommen. Im Gegensatz zu rein musterbasierten Antworten nutzen die Agenten sogenannte „Reasoning“-Modelle, die vorab überlegen, bevor sie antworten – unterstützt von Technologien von Anthropic, OpenAI und Google Gemini. Zusätzlich stellt Salesforce Agentforce Builder vor, eine einheitliche Plattform zum Erstellen, Testen und Bereitstellen von KI-Agenten. Dazu gehört auch „Agentforce Vibes“, ein kürzlich vorgestelltes Werkzeug für die Entwicklung unternehmensspezifischer App-Integrationen. Die Zusammenarbeit mit Slack wird erheblich ausgebaut: Ab sofort werden Kernfunktionen wie Agentforce Sales, IT und HR direkt in Slack verfügbar sein und bis Anfang 2026 weiter ausgebaut werden. Slack testet zudem eine überarbeitete Version seines Slackbot, der künftig als personalisierter KI-Agent agieren soll, der sich an Nutzer gewöhnt und proaktive Empfehlungen gibt. Salesforce plant zudem, bis Anfang 2026 Connector für Gmail, Outlook und Dropbox bereitzustellen, um Slack zu einem zentralen Such- und Informationszugriffstool im Unternehmen zu machen. Die Ankündigung erfolgt in einer Phase, in der Unternehmen weltweit massiv in KI-Innovationen investieren, aber oft Schwierigkeiten haben, einen messbaren Return on Investment zu erzielen. Laut einer kürzlich veröffentlichten Studie des MIT scheitern 95 % der KI-Pilotprojekte vor der Produktionsphase. Trotzdem setzen große Player wie Google mit Gemini Enterprise oder Anthropic mit seinem Claude Enterprise auf schnelle Marktdurchdringung. So kündigte Anthropic kürzlich eine strategische Partnerschaft mit IBM und einen umfangreichen Deal mit Deloitte an, bei dem der Claude-Chatbot 500.000 Mitarbeiter weltweit nutzen sollen – bisher größter Kundenvertrag. Salesforce betont, dass Agentforce bereits 12.000 Kunden zählt – eine Zahl, die laut der eigenen Pressemitteilung deutlich über den Konkurrenten liegt. Erste Pilotkunden für Agentforce 360 sind Lennar, Adecco und Pearson. Experten sehen die Ankündigung als klare Antwort auf den steigenden Druck, praktikable und skalierbare KI-Lösungen für Unternehmen zu liefern. „Salesforce versucht, mit einer umfassenden Plattform-Strategie die Integration von KI in den Arbeitsalltag zu vereinfachen – besonders durch die Slack-Integration“, sagt ein Analyst von Gartner. „Aber der entscheidende Test bleibt, ob Unternehmen die erhoffte Effizienzsteigerung tatsächlich messen können.“
