WhatsApp lässt Brasilien von Chatbot-Beschränkung ausnehmen
Nachdem die italienische Wettbewerbsbehörde zuvor bereits eine Ausnahme für Nutzer mit italienischen Nummern durchgesetzt hatte, hat WhatsApp nun auch Brasilien von der neuen Regelung ausgenommen, die Drittanbieter-Chatbots mit allgemeinem Zweck auf der Plattform über die Business-API verbieten soll. Die Entscheidung folgt auf eine Anordnung der brasilianischen Wettbewerbsbehörde CADE, die Meta aufforderte, die Einführung der Beschränkung auszusetzen. Laut einem internen Hinweis an AI-Anbieter, den TechCrunch einsehen konnte, müssen Entwickler und KI-Unternehmen keine Benachrichtigungen mehr an Nutzer mit brasilianischer Vorwahl (+55) senden und können ihre Chatbots weiterhin aktiv nutzen. Die 90-tägige Frist zur Einstellung der Dienstleistungen bis zum 15. Januar 2026 gilt für brasilianische Nutzer nicht mehr. Die neue Regelung betrifft vor allem allgemein einsetzbare KI-Chatbots wie ChatGPT oder Grok, die über die WhatsApp Business-API angeboten werden. Unternehmen dürfen jedoch weiterhin spezifische Kundenservice-Bots einsetzen, die auf ihre Kunden zugeschnitten sind. Die brasilianische Wettbewerbsbehörde hatte Bedenken geäußert, dass die Regelung möglicherweise wettbewerbswidrig ist und Meta AI – den eigenen KI-Chatbot – gegenüber Drittanbietern bevorzugt. In einer Stellungnahme erklärte Meta, dass die Integration von KI-Chatbots die Infrastruktur des Business-API-Systems überlaste, die ursprünglich für andere Zwecke konzipiert sei. Die Firma betonte, dass WhatsApp kein „de facto App Store“ sei und dass KI-Anbieter über App-Stores, Webseiten oder Partnerschaften den Zugang zu Nutzern finden können. Die Entscheidung in Brasilien ist Teil eines größeren globalen Konflikts zwischen Meta und Aufsichtsbehörden, die die Auswirkungen von KI-Integrationen auf digitale Märkte prüfen. Ähnliche Ermittlungen laufen bereits in der EU, wo die Kommission ein Antitrust-Verfahren gegen die neuen KI-Richtlinien eingeleitet hat. In Italien hatte Meta bereits eine ähnliche Ausnahme gewährt, nachdem die Behörde die Maßnahme als diskriminierend kritisiert hatte. Branchenexperten sehen in der brasilianischen Ausnahme eine strategische Geste, um regulatorischen Druck abzubauen, ohne die Kernregelung aufzugeben. „Meta versucht, durch gezielte Ausnahmen die Aufmerksamkeit der Aufsichtsbehörden abzulenken, während es die eigentliche Strategie beibehält“, sagt ein Analyst aus dem Bereich digitale Wettbewerbsregulierung. Meta, der Mutterkonzern von WhatsApp, positioniert sich als Technologieanbieter, der Infrastruktur schützen und Missbrauch verhindern will. Die Firma hat kürzlich betont, dass die KI-Integrationen nicht Teil der ursprünglichen Geschäftsmodelle der Plattform seien. Dennoch bleibt die Debatte um die Grenzen von Plattformen wie WhatsApp im Kontext von KI und Wettbewerb weiterhin aktuell – besonders in Schwellenländern wie Brasilien, wo digitale Innovationen schnell wachsen und regulatorische Rahmenbedingungen sich noch entwickeln.
