Künstliche Intelligenz bedroht Finanzdienstleister – Aktien fallen schwer
Die Einführung eines künstlichen Intelligenz-Tools für Steuerplanung hat erneut die Aktienmärkte erschüttert – nun nicht mehr nur Softwareunternehmen, sondern auch Finanzdienstleister. LPL Financial stürzte am Dienstag um fast 11 Prozent ab, während Charles Schwab und Raymond James Financial jeweils mehr als 9 Prozent verloren. Morgan Stanley verlor 4 Prozent. Die Kursstürze folgten der Ankündigung durch den Tech-Plattform-Anbieter Altruist, die neue KI-Plattform Hazel zu lancieren. Hazel kann Steuerstrategien innerhalb weniger Minuten erstellen, indem sie Steuererklärungen (1040), Gehaltsabrechnungen, Kontoumsätze, Meeting-Notizen, E-Mails sowie Daten aus Custody- und CRM-Systemen analysiert und tiefgreifende Steuerlogik anwendet. Investoren reagierten mit Besorgnis: Sie befürchten, dass KI-Tools die klassischen Dienstleistungen von Vermögensverwaltern und Finanzberatern überflüssig machen könnten. Insbesondere die profitablen Angebote wie individuelle Steuerplanung, Beratung und Anlageberatung stehen nun unter Druck. Die Angst wächst, dass KI die Margen der etablierten Brokerhäuser und Vermögensverwalter schmälern könnte, da kostengünstige, schnelle Alternativen verfügbar werden. Dieses Szenario erinnert an die Entwicklung im Frühjahr, als neue KI-Modelle von Anthropic Unternehmen in der Softwarebranche beunruhigten. Damals stürzten Aktien von Unternehmen wie ServiceNow und LegalZoom ab, während der iShares Expanded Tech-Software ETF (IGV) in diesem Jahr bereits um 19 Prozent verlor. Nun breitet sich die Angst auf den Finanzsektor aus. Der iShares U.S. Broker-Dealers and Securities ETF verlor am Dienstag 4 Prozent. Industrieexperten sehen in der Entwicklung eine tiefgreifende Transformation: „KI wird nicht nur Effizienz steigern, sondern die Geschäftsmodelle der Finanzberatung grundlegend verändern“, sagt ein Analyst von Bernstein. „Firmen, die nicht schnell auf KI reagieren, riskieren, von disruptiven Plattformen abgelöst zu werden.“ Altruist positioniert sich als Anbieter einer neuen Generation von Beratungsplattformen, die nicht nur Automatisierung, sondern auch tiefgreifende Personalisierung ermöglichen. LPL, Charles Schwab und andere große Finanzdienstleister stehen nun vor der Herausforderung, ihre Dienstleistungen zu optimieren, KI zu integrieren oder neue Wettbewerbsvorteile zu schaffen. Die Börse signalisiert, dass Investoren die Risiken einer digitalen Disruption in der Finanzbranche zunehmend ernst nehmen – und dass die Ära der KI-Transformation längst nicht bei Software angekommen ist, sondern nun auch die Finanzwelt erreicht.
