KI-Boom: Löhne steigen zunächst, sinken dann wieder
Eine neue Studie des Brookings Institution weist darauf hin, dass künstliche Intelligenz (KI) in der Anfangsphase Löhne steigern könnte – jedoch langfristig zu einem Rückgang führen könnte, sobald Maschinen immer mehr kognitive Aufgaben übernehmen. Die Forscher Konrad Kording von der University of Pennsylvania und Ioana Marinescu aus der School of Social Policy & Practice entwickelten ein Modell, das den Verlauf der Lohnentwicklung im Zeitalter der KI nachzeichnet. Demnach verläuft die Entwicklung in einer humpförmigen Kurve: Zunächst steigen die Löhne deutlich an, da KI die Produktivität von Arbeitnehmern erhöht. Doch sobald KI in immer mehr Intelligenz-basierten Tätigkeiten Einzug hält, sinkt die Nachfrage nach menschlicher Arbeitskraft, was zu einem Rückgang der Löhne führt. Die Autoren bezeichnen dies als „Intelligenz-Sättigung“ – ein Zustand, in dem die Vorteile der KI aufgrund der Abhängigkeit von physischen Ressourcen, Werkzeugen und menschlicher Koordination letztlich stagnieren. Im Modell zeigt sich, dass die Produktivität weiter steigt, während die Löhne sinken – ein Hinweis darauf, dass die wirtschaftlichen Gewinne zunehmend an Kapitalbesitzer und Unternehmen gehen, nicht an Arbeitnehmer. Menschen werden zunehmend in physische, langsamer wachsende Berufe wie Baugewerbe oder Pflege abgedrängt, wo die Lohnentwicklung schwächer ist. Dies führt zu einer strukturellen Verschiebung im Arbeitsmarkt, bei der die digitalen Fortschritte nicht mehr in höhere Löhne umgesetzt werden. Die Studie lehnt beide Extrempositionen ab: die utopische Vorstellung einer unendlichen Wohlstandsexpansion durch KI und die apokalyptische Angst vor vollständiger Arbeitslosigkeit. Stattdessen plädieren die Autoren für eine verlangsamte Einführung von Automatisierung, um den Übergang zu gestalten. Sie empfehlen, in physische Kapitalgüter wie Maschinen und Werkzeuge zu investieren, damit Menschen auch in einer automatisierten Welt produktiv bleiben können. Zudem schlagen sie eine Besteuerung von digitalen Ersatzdienstleistungen für persönliche Interaktionen vor – ein Konzept, das an Sen. Bernie Sanders’ Vorschlag einer „Robotersteuer“ erinnert, die Unternehmen bestraft, die KI einsetzen, um menschliche Arbeitsplätze zu ersetzen. Industrielle Experten sehen in der Studie eine realistische Warnung vor der unreflektierten KI-Expansionsstrategie. „Die humpförmige Lohnkurve ist ein eindringliches Bild der möglichen Konsequenzen“, sagt ein Wirtschaftsberater des MIT. „Ohne politische Gegensteuerung riskieren wir, dass die Vorteile der KI nur einer Minderheit zugutekommen.“ Die Studie unterstreicht, dass technologische Fortschritte nicht automatisch zu sozialer Gerechtigkeit führen – vielmehr erfordern sie bewusste Regulierung und Investitionen in menschliche und physische Ressourcen, um eine nachhaltige wirtschaftliche Entwicklung zu sichern.
