Vercel-Chef will KI-Modelle von Agenten trennen
Nach der ShipNYC-Konferenz hat Vercel-Chef Guillermo Rauch die aktuelle Entwicklung im KI-Sektor analysiert. Das Unternehmen, das durch seine Cloud-Infrastruktur für den serverlosen Deployment von KI-Agenten bekannt ist, verzeichnet täglich sechs Millionen Deployments, davon die Hälfte durch Coding-Agenten angestoßen. Täglich fließen über eine Billion Tokens durch das Vercel AI Gateway. Laut Rauch hat sich der Fokus der Entwicklercommunity von reinen Prototypen hin zu praxistauglichen Produktionsumgebungen verschoben. Zwei Hauptanwendungsfelder dominieren aktuell den Markt: Coding-Agenten und interne Unternehmensagenten. Während Codegeneratoren den Tokenverbrauch massiv treiben, stellt der Einsatz interner Agenten insbesondere Anforderungen an Datensicherheit, Auditierbarkeit und Zugriffssteuerung. Um diesen Herausforderungen zu begegnen, hat Vercel die Frameworks Eve und Vercel Sandbox vorgestellt. Eve erlaubt die Definition von Anweisungen und Fähigkeiten von Agenten in natürlicher Sprache, während die Sandbox eine isolierte Ausführungsumgebung bietet. Sie gewährleistet die Kontrolle über Datenflüsse und verhindert das unbeabsichtigte Training proprietärer Codebasen auf externen Modellen, ein kritisches Risiko, das insbesondere in sicherheitskritischen Branchen wie der Luftfahrt relevant ist. Der Einsatz interner Agenten durchbricht zudem klassische Daten-Silos. Rauch führte als Beispiel die Vertriebsteile seines eigenen Unternehmens an, wo Mitarbeiterinnen ohne lange Wartezeiten auf neue Dashboards direkt auf Kennzahlen zugreifen und priorisieren können. Diese Entwicklung zwinge etablierte SaaS-Anbieter dazu, ihre Datenarchitekturen zu öffnen, da geschlossene Ökosysteme mit der Agenten-Technologie nicht kompatibel seien. Bei der Auswahl von Modellanbietern beobachte Rauch einen deutlichen Wandel. Statt sich auf einzelne Labore zu spezialisieren, setzen Unternehmen auf eine modular aufgebaute Architektur. OpenAI, Anthropic und Google Gemini werden parallel genutzt, wobei letztere aufgrund günstigerer Preis-Leistungs-Verhältnisse in Produktionsumgebungen stark an Bedeutung gewinnen. Zudem steigt die Adoption offener Modelle wie DeepSeek und GLM-5.2 deutlich an. Parallel dazu rückt die Konkurrenz zwischen Modellherstellern und Infrastrukturplattformen näher. Mit der Veröffentlichung neuer Hosting-Tools durch Labore entstehe eine direkte Schnittmenge zu den bestehenden Dienstleistungen von Vercel. Rauch sieht darin jedoch eine Gelegenheit und plädiert klar für die Entkopplung von KI-Modellen und Agenten. Anstatt geschlossene Blackboxes zu nutzen, favorisiere er eine modulare Bauweise nach klassischen Softwareprinzipien. Vercel positioniere sich dabei als die Cloud-Infrastruktur der nächsten Generation, analog zu AWS, und setze konsequent auf offene Protokolle sowie interoperable Standards, um langfristige Flexibilität und Sicherheit für Entwickler zu gewährleisten.
