Netflix warnt ByteDance vor Urheberrechtsverletzungen durch AI-Tool Seedance 2.0
Netflix hat ByteDance, den Mutterkonzern von TikTok, per rechtlichem Schreiben zur Einstellung eines AI-Tools namens Seedance 2.0 aufgefordert, das nach Ansicht des Streaming-Dienstes urheberrechtlich geschützte Inhalte massenhaft nachbildet. In dem Schreiben, das am Dienstagabend versandt wurde, bezeichnete Netflix das Tool als „Hochgeschwindigkeitspiraterie-Maschine“ und warf ByteDance vor, urheberrechtlich geschützte Charaktere und Szenen aus populären Serien wie Stranger Things, Bridgerton, Squid Game sowie aus dem Animationsfilm KPop Demon Hunters ohne Genehmigung zu reproduzieren. Besonders kritisch sieht Netflix die hohe Detailgenauigkeit der von Seedance generierten Inhalte – etwa detaillierte Nachbildungen der Maskenbälle in Bridgerton, des Serienfinale von Stranger Things mit den Demogorgons oder der ikonischen „Rot-Licht-Grün-Licht“-Szene aus Squid Game, inklusive der Einbindung realer Persönlichkeiten wie Elon Musk. Netflix betont, dass die Nutzung geschützter Werke zur Erstellung konkurrierender kommerzieller Produkte nicht unter den Schutz des sogenannten „fair use“ fällt, insbesondere wenn es sich um direkte Nachbildungen handelt. Die Firma fordert von ByteDance, sofort alle generativen Ausgaben zu stoppen, bereits erstellte urheberrechtswidrige Inhalte zu löschen, die betroffenen Inhalte aus den Trainingsdatensätzen zu entfernen und eine vollständige Aufstellung aller Nutzungsfälle zu liefern. Zudem soll der Zugriff für Dritte, die das Tool kommerziell nutzen, eingestellt werden. Die Reaktion von ByteDance ist vorsichtig: Ein Sprecher erklärte, das Unternehmen respektiere geistiges Eigentum und habe die Bedenken zu Seedance 2.0 „erhört“. Man arbeite an verstärkten Sicherheitsmaßnahmen, um die unerlaubte Nutzung von Urheberrechten und Ähnlichkeiten durch Nutzer zu verhindern. Gleichzeitig zeigt sich, dass die Kritik nicht nur von Netflix kommt: Auch Disney und Paramount Skydance haben vergangene Woche ähnliche Abmahnungen an ByteDance gerichtet. Disney wirft dem Unternehmen vor, eine „geklonte Bibliothek“ von Disney-Charakteren aus Star Wars und Marvel zu nutzen, als wäre sie öffentlich zugänglich. Disney hatte im Dezember einen Lizenzvertrag mit OpenAI für Sora abgeschlossen, was die Spannung um die Nutzung von IP in KI-Tools weiter erhöht. Branchenexperten sehen in der Auseinandersetzung einen Wendepunkt im Streit um KI und Urheberrecht. „Dies ist der erste große juristische Testfall, bei dem Streaming-Riesen direkt gegen einen KI-Entwickler vorgehen, der Inhalte ohne Genehmigung reproduziert“, sagt eine Rechtsanwältin für digitales Urheberrecht. „Wenn Netflix Erfolg hat, könnte das die gesamte KI-Industrie zwingen, rigorosere Kontrollen einzuführen.“ Die Situation unterstreicht, dass die rasante Entwicklung generativer KI-Tools nun auch tiefgreifende rechtliche und ethische Fragen aufwirft – besonders wenn kommerzielle Interessen mit kreativen Rechten kollidieren.
