Reflection AI sammelt 2 Milliarden Dollar für offenen AI-Forschungslab in Amerika
Reflection AI, ein Startup, das Anfang 2024 von zwei ehemaligen Google DeepMind-Forschern gegründet wurde – Misha Laskin, der für die Reward-Modellierung bei Gemini verantwortlich war, und Ioannis Antonoglou, Mitentwickler von AlphaGo –, hat eine beeindruckende Finanzierungsrunde von 2 Milliarden US-Dollar abgeschlossen. Die Bewertung liegt bei 8 Milliarden Dollar, was einer 15-fachen Steigerung gegenüber der Bewertung von 545 Millionen Dollar vor sieben Monaten entspricht. Das Unternehmen positioniert sich als offene, westliche Alternative zu geschlossenen Frontier-Labs wie OpenAI oder Anthropic und als Gegenstück zu chinesischen AI-Unternehmen wie DeepSeek. Ziel ist es, fortschrittliche KI-Modelle außerhalb der etablierten Tech-Giganten zu entwickeln, unterstützt durch ein Team aus Spitzenkräften aus DeepMind und OpenAI. Die Plattform soll auf einem fortschrittlichen, offen zugänglichen Trainingssystem basieren, das es ermöglicht, große Mixture-of-Experts (MoE)-Modelle zu trainieren – eine Architektur, die bisher nur wenigen großen Laboren vorbehalten war. Reflection AI plant, Anfang 2025 ein Sprachmodell mit „zehn bis hundert Billionen Tokens“ an Trainingsdaten zu veröffentlichen. Der Fokus liegt auf autonomen Codierungsagenten, wird aber bald auf allgemeine agentebene Schlussfolgerung ausgeweitet. Laskin warnt vor einer zunehmenden Abhängigkeit von chinesischen KI-Systemen, da viele Unternehmen und Staaten diese aus Sicherheits- und rechtlichen Gründen meiden. Die US-amerikanische Technologie-Szene begrüßt die Initiative: David Sacks, der AI- und Krypto-Beauftragte im Weißen Haus, betont die Bedeutung offener KI für die Wettbewerbsfähigkeit der USA. Clem Delangue von Hugging Face sieht die Entwicklung als positiven Schritt, fordert aber eine schnelle Verbreitung von Modellen und Datensätzen. Reflection AI verfolgt ein hybrides Open-Source-Modell: Während die Modellgewichte öffentlich zugänglich sind, bleiben Trainingsdaten und -pipelines proprietär. Der Geschäftsmodellansatz zielt auf Großunternehmen und Regierungen ab, die „soveräne KI“ benötigen – also selbst kontrollierbare, anpassbare und kosteneffiziente Systeme. Die Finanzierung wurde von Investoren wie Nvidia, Sequoia, Lightspeed, GIC, Eric Schmidt und Citi unterstützt. Obwohl das erste Modell noch nicht veröffentlicht ist, zeichnet sich ein klares Ziel ab: die Schaffung einer skalierbaren, offenen KI-Infrastruktur im Westen, um die globale Führung in KI zu sichern. Die Initiative von Reflection AI wird von Branchenexperten als strategisch bedeutend angesehen. Die Kombination aus exzellentem technischem Know-how, klarem Open-Source-Engagement und einem marktorientierten Geschäftsmodell könnte den Wandel in der KI-Entwicklung beschleunigen. Im Gegensatz zu reinen Open-Source-Projekten wie Hugging Face oder Meta’s Llama setzt Reflection AI auf eine Balance zwischen Offenheit und kommerzieller Nachhaltigkeit – eine Strategie, die von Analysten als realistischer Ansatz für die Entwicklung von Frontier-KI angesehen wird. Die Tatsache, dass hochrangige ehemalige DeepMind-Mitarbeiter das Unternehmen führen, verleiht ihm Glaubwürdigkeit. Die Fokussierung auf MoE-Architekturen und die Absicht, große Modelle mit geringeren Ressourcen zu trainieren, könnte die KI-Entwicklung demokratisieren. Allerdings bleibt die Frage, ob die geschlossene Natur der Trainingsinfrastruktur die volle Transparenz und Gemeinschaftsarbeit behindern könnte – ein Risiko, das bei der Nachahmung des Llama-Modells durch andere Unternehmen kritisch beobachtet wird. Mit einer Teamgröße von etwa 60 Mitarbeitern und einem klaren Fokus auf Forschung und Infrastruktur ist Reflection AI auf Kurs, ein echter Spieler im globalen KI-Wettlauf zu werden.
