AI im Super Bowl: Vom Roboter bis zur KI-Chatbot-Kampagne
Die Super Bowl-Werbung des Jahres 2026 zeigte, wie tief Künstliche Intelligenz in die Markenstrategien eingebettet ist – nicht nur als Produkt, sondern als kreative Kraft und zentrales Thema. Svedka präsentierte mit „Shake Your Bots Off“ den ersten größeren, überwiegend künstlich generierten Spot der Super Bowl-Geschichte. Die 30-Sekunden-Show zeigt die Roboterfigur Fembot und ihren neuen Begleiter Brobot, die bei einer menschlichen Party tanzend ihre Schaltkreise überhitzen. Hinter dem Spot stand die KI-Firma Silverside, die auch für die kontroversen Coca-Cola-KI-Werbespots verantwortlich ist. Obwohl das Unternehmen betont, dass Menschen die Geschichte entwickelten, sorgte die hohe KI-Intensität für Debatten über die Zukunft kreativer Berufe. Anthropic nutzte seinen Spot, um OpenAI zu attackieren: Mit dem Slogan „Ads are coming to AI. But not to Claude.“ stellte das Unternehmen die Einführung von Werbung in ChatGPT in Frage und scherzte über einen Chatbot, der plötzlich „Step Boost Maxx“-Innensohlen bewirbt. Die Reaktion von Sam Altman war prompt – er nannte die Werbung „klar irreführend“. So entstand ein digitales Streitgespräch, das die Aufmerksamkeit der Tech-Welt auf sich zog. Meta zeigte erneut seine AI-Brillen, diesmal in Zusammenarbeit mit Oakley. Die Werbung präsentierte Extremsportler wie IShowSpeed und Regisseur Spike Lee, die die Brillen bei Sprüngen, Mountainbiking und Basketball nutzen, um Inhalte handsfrei aufzunehmen und zu teilen. Die Aufmerksamkeit lag auf der Kombination aus Leistung und Lifestyle. Amazon setzte auf satirische Angst: Chris Hemsworth spielt einen Mann, der glaubt, seine neue Alexa+-Version sei gegen ihn. Die Szenerie eskaliert absurd – von einem Garagentor, das ihm auf den Kopf fällt, bis hin zum Pooldeck, das sich während des Schwimmens schließt. Hinter der dunklen Komödie steht die Einführung von Alexa+, die nun für alle US-Nutzer verfügbar ist. Ring präsentierte seine „Search Party“-Funktion: Eine KI-gestützte Plattform, die verlorene Haustiere mithilfe von Fotos, lokalen Kameras und der Ring-Community wiederfindet. Die Funktion ist nun auch ohne Ring-Gerät nutzbar und hat bereits täglich Hunderte Hunde wieder zusammengeführt. Google stellte den Nano Banana Pro vor – ein neues Bildgenerierungsmodell, das eine Mutter und ihren Sohn bei der Gestaltung ihres neuen Zuhause begleitet. Mit einfachen Prompten verwandeln sie leere Räume in individuelle Wohnwelten. Ramp nutzte Brian Baumgartner („The Office“-Kevin) für eine humorvolle Parodie: Er „multipliziert“ sich mit Hilfe von Ramp’s AI, um eine Flut an Arbeitsaufgaben zu bewältigen. Der versteckte Wink auf die berühmte Chili-Szene unterstreicht die Authentizität. Rippling schließlich setzte mit Tim Robinson auf absurden Humor: Ein HR-Manager muss einen „Alien-Monster“ einstellen – eine Metapher für die komplexen Prozesse im Onboarding. Hims & Hers thematisierte medizinische Ungleichheit und kritisierte Luxus-Health-Trends wie Bezos’ Raumflug oder Johnsons Anti-Aging-Routine, während sie ihre KI-gestützte „MedMatch“-Plattform vorstellte. Wix präsentierte Wix Harmony – eine KI-Plattform, die Website-Erstellung wie ein Gespräch gestaltet. Konkurrent Squarespace reagierte mit einem künstlerisch angehauchten Spot mit Emma Stone und Yorgos Lanthimos. Insgesamt markierte der Super Bowl 2026 eine neue Ära: KI ist nicht mehr nur ein Werkzeug, sondern eine Markenidentität, eine kreative Stimme und oft auch eine politische Aussage. Experten warnen vor der Übermacht von KI in der Werbung, sehen aber auch Chancen für kreative Innovationen. Die Debatte um Authentizität, Arbeitsplätze und Markenvertrauen wird weiter anheizen.
