Roboter revolutionieren Krankenhäuser – bald auch andere Branchen
In Krankenhäusern wie dem Cedars-Sinai Medical Center in Los Angeles ist der Roboter Moxi bereits fester Bestandteil des Alltags. Mit seinen blauen, flackernden Augen und der Fähigkeit, Labormaterialien abzuholen, Toilettensachen zu liefern und sich selbstständig in Aufzügen zu bewegen, entlastet er Pflegekräfte von routinemäßigen, zeitaufwendigen Aufgaben. Seit zwei Jahren setzt das 900-Betten-Krankenhaus auf drei Moxi-Roboter, die vor allem im Hintergrund tätig sind – etwa beim Transport von Bettwäsche, Medikamenten oder Patienteneigentum. „Ich muss nicht mehr 10.000 Schritte in die Tiefen des Krankenhauses laufen“, sagt Pflegedirektorin Melanie Barone. Auch in Rochester, New York, wo das 528-Betten-Krankenhaus seit 2023 acht Moxi einsetzt, wird die Technologie positiv bewertet: „Sie machen keine Überstunden, nehmen keine Krankheitstage – das ist der Anfang der Robotik im Gesundheitswesen“, sagt Vice President Casey Wilbert. Die Roboter werden von der Austin-basierten Firma Diligent Robotics entwickelt, die mittlerweile Moxi in rund 25 US-Krankenhäusern im Einsatz hat. Doch Experten betonen: Roboter können menschliche Berührungen nicht ersetzen. David Marshall, Chief Nursing Executive von Cedars-Sinai, unterstreicht, dass Moxi niemals eine Hand halten oder eine Stirn abwischen kann – wichtige Aspekte menschlicher Fürsorge. Dennoch zeigt sich eine starke emotionale Resonanz bei Patienten und Personal, inklusive Kindern, die Moxi sogar nach Operationen wiedersehen wollten. Der nächste Schritt sind humanoides Roboter, die sich an menschliche Umgebungen anpassen lassen. Jeff Cardenas von Apptroknik, dessen Apollo-Roboter ursprünglich inspiriert war von der Pflege seiner erkrankten Großeltern, sieht große Potenziale in der Altenpflege. „Ich möchte ein Werkzeug schaffen, das Menschen helfen kann, mit Würde zu altern.“ Auch an der UC San Diego arbeitet Professor Michael Yip an chirurgischen Robotern, die laut seiner Einschätzung in zehn Jahren als Assistenzsysteme im OP eingesetzt werden könnten – zunächst bei weniger riskanten Eingriffen wie der Schnittführung in weichem Gewebe. Er sieht den humanoiden Formfaktor als entscheidend für die Navigation in komplexen Umgebungen wie Krankenhäusern oder Privathaushalten. An der Weltwirtschaftsforum in Davos prognostiziert Analystin Zornitsa Todorova von Barclays, dass der Markt für humanoid Roboter in zehn Jahren auf 40 Milliarden Dollar anwachsen könnte – möglicherweise sogar auf 200 Milliarden. Elon Musk, CEO von Tesla, setzt mit seinem Projekt Optimus auf eine schnelle Markteinführung: Bis Ende des Jahres sollen die Roboter komplexere Aufgaben bewältigen, Ende nächsten Jahres sollen sie bereits an die Öffentlichkeit verkauft werden. „Sie werden fast alles tun können, was man von ihnen verlangt“, sagt Musk. Experten wie Darrell West von der Brown University warnen jedoch vor gesellschaftlichen Folgen: Digitale Transformationen wie die Robotisierung werden tiefgreifende Veränderungen bringen – ähnlich der Industrialisierung vor hundert Jahren. Es sei entscheidend, den Übergang so zu gestalten, dass Menschen nicht ausgegrenzt oder demotiviert werden. Insgesamt zeigt sich: Roboter sind längst nicht mehr Science-Fiction. Sie sind im Gesundheitswesen angekommen – und bereiten den Weg für eine neue Ära der Automatisierung, die sowohl Chancen als auch Herausforderungen mit sich bringt.
