Wayve erhält 1,5 Milliarden Dollar für weltweiten Robotaxi-Ausbau
Der britische Autonomie-Software-Spezialist Wayve hat eine beeindruckende Finanzierungsrunde von 1,5 Milliarden US-Dollar abgeschlossen, die das Unternehmen auf einen Wert von 8,6 Milliarden Dollar bringt. Die Mittel stammen von namhaften Tech-Giganten wie Microsoft, Nvidia und Uber sowie Automobilriesen wie Mercedes-Benz, Nissan und Stellantis. Besonders bedeutend ist die Verbindung zu Uber, die nicht nur Kapital bereitstellt, sondern auch eine Vereinbarung mit Wayve eingegangen ist, um ab 2024 selbstfahrende Fahrzeuge in über zehn Märkten weltweit über die Uber-App anzubieten – mit London als erstem Standort. Wayve, das seit 2017 in London testet, positioniert sich damit als ernstzunehmender Konkurrent zu Waymo, der ebenfalls in London starten will, und Baidu, das mit Lyft zusammenarbeitet. Im Gegensatz zu Tesla oder Waymo, die eigene Fahrzeugflotten betreiben, konzentriert sich Wayve ausschließlich auf die Entwicklung von Software für andere Hersteller. CEO Alex Kendall betont, dass der Aufbau eigener Flotten kostspielig sei und die Auswahl auf ein Fahrzeugmodell beschränke – eine Hürde, die Wayve mit seiner allgemein anwendbaren KI-Lösung umgeht. Die von Wayve entwickelte KI-Software kann sich schnell an neue Fahrbedingungen anpassen – sei es der Wechsel auf die rechte Fahrspur in Großbritannien oder die Einhaltung anderer Verkehrsregeln – ohne auf hochauflösende Karten oder spezifische Sensoren wie Lidar angewiesen zu sein. Stattdessen nutzt das System tiefes maschinelles Lernen, um aus Erfahrungen zu lernen, ähnlich wie ein Mensch. Dies ermöglicht eine schnelle Anpassung an verschiedene Fahrzeugplattformen und Sensorausstattungen, was die Lizenzierung an verschiedene Automobilhersteller erleichtert. In den letzten zwölf Monaten hat Wayve bereits in über 500 Städten in Europa, Nordamerika und Japan getestet, ohne städtespezifische Trainingsdaten zu benötigen. Zudem hat das Unternehmen einen Vertrag mit Nissan geschlossen, der ab 2027 die Wayve-KI in dessen ProPilot-System integrieren wird. Ziel ist es, die Software als fortschrittliches Fahrerassistenzsystem ähnlich Tesla’s Full Self-Driving anzubieten. Die neue Finanzierung soll die globale Expansion beschleunigen und die Position als führender Software-Anbieter im Bereich autonomer Fahrzeuge stärken. Branchenexperten sehen in der Finanzierung einen klaren Signalwert für den Wandel im Autonomie-Sektor: Während früher Fahrzeughersteller und Plattformen versuchten, die gesamte Wertschöpfungskette zu kontrollieren, gewinnt nun der Softwareansatz an Bedeutung. Wayves modulares, anpassungsfähiges System könnte die Branche nachhaltig beeinflussen, besonders wenn es sich bei den Automobilherstellern durchsetzt. Die Kooperation mit Uber und den großen Tech-Unternehmen unterstreicht zudem die zunehmende Bedeutung von Partnerschaften im Wettbewerb um die Zukunft der Mobilität.
