Khosla: USA soll 10 % an allen Unternehmen erwerben, um AI-Reichtum zu teilen
Vinod Khosla, Gründer von Khosla Ventures, hat auf der TechCrunch Disrupt 2025 eine kontroverse aber ambitionierte Vision für die Zukunft der Wirtschaft vorgestellt: Die US-Regierung könnte einen 10-Prozent-Anteil an allen börsennotierten Unternehmen übernehmen und diesen Anteil in einer nationalen Vermögenskasse bündeln, um die entstehende Wohlstandsgewinnung durch künstliche allgemeine Intelligenz (AGI) an die Bevölkerung weiterzugeben. Die Idee wurde durch Donald Trumps Entscheidung inspiriert, 10 Prozent von Intel zu erwerben – ein Schritt, den Khosla als Ausgangspunkt für eine größere strategische Überlegung nutzte. „Wenn der Staat 10 Prozent von Intel kaufen kann, warum nicht 10 Prozent von jedem Unternehmen?“, fragte er rhetorisch. Sein Vorschlag: Ein staatlich kontrollierter Fonds, der Anteile an allen öffentlichen Unternehmen erwerben und die erzielten Erträge als direkte Verteilung an Bürgerinnen und Bürger nutzen würde. Khosla betonte, dass der technologische Wandel durch AGI nicht nur Chancen, sondern auch tiefgreifende soziale Herausforderungen mit sich bringe. Er warnte vor einer „hochgradig deflationären Wirtschaft“ bis 2035, in der Automatisierung und KI die Produktivität so steigern könnten, dass die traditionelle Wertschöpfung durch menschliche Arbeit entwertet werde. Dabei werde die Arbeitswelt grundlegend umgestaltet: Berufe wie Reifenwechsel auf einer Montagestraße oder landwirtschaftliche Arbeit würden, so Khosla, „keine Aufgaben mehr für Menschen sein“ – sie seien „Dienstbarkeit zur Überlebenssicherung“. Stattdessen fordere er eine Neuausrichtung der Gesellschaft, bei der die Vorteile der KI nicht nur an wenige Tech-Unternehmen oder Investoren gehen, sondern breit verteilt werden. Obwohl er die politische und ökonomische Kontroverse um seine Idee erkennt, argumentiert Khosla, dass radikale Lösungen notwendig seien, um soziale Spannungen zu vermeiden. Sein Ansatz steht im Kontext früherer Diskussionen über ein bedingungsloses Grundeinkommen (UBI), etwa durch Studien von OpenAI mit Unterstützung von Sam Altman. Doch Khosla geht einen Schritt weiter: Statt nur Geld zu verteilen, schlägt er eine tiefgreifende Umverteilung der Produktionsmittel vor – die staatliche Beteiligung an der wirtschaftlichen Basis. Für Gründer sieht er dagegen Chancen: Jeder Beruf, von der Medizin über das Rechnungswesen bis zur Unterhaltung, werde durch KI-Tools transformiert – und dies eröffne neue Start-up-Möglichkeiten. Die Zukunft, so Khosla, wird nicht von der Ersatz von Arbeit durch Maschinen geprägt, sondern von der Schaffung neuer Formen von Kreativität, Koordination und menschlicher Gestaltung. Industrielle Experten reagieren gemischt: Einige sehen in der Idee eine notwendige Reaktion auf die ungleiche Verteilung von KI-Gewinnen, andere warnen vor staatlichem Eingriff in private Unternehmen und Verzerrungen des Marktes. Khosla bleibt jedoch überzeugt: „Wir brauchen keine perfekte Lösung – nur eine, die funktioniert, um die Gesellschaft zusammenzuhalten.“
