AFL-CIO fordert arbeitnehmerzentrierte KI-Regulierung und stärkere Mitbestimmung
Die größte Gewerkschaftsorganisation der USA, die American Federation of Labor and Congress of Industrial Organizations (AFL-CIO), hat eine umfassende Kampagne für einen „arbeitnehmerzentrierten AI-Zukunft“ gestartet. Ziel ist es, durch verstärkte Tarifverhandlungen, gesetzliche Regulierungen und Bildungsprogramme sicherzustellen, dass KI-Entwicklungen die Rechte und Würde der Arbeitnehmer stärken, statt sie zu untergraben. Mit 63 Mitgliedsorganisationen und fast 15 Millionen Arbeitnehmern – von Krankenschwestern über Schifffahrtsarbeiter bis hin zu Eishockeyspielern – vertritt die AFL-CIO eine breite Basis. In einer Pressemitteilung betont Präsidentin Liz Shuler: „Wir lehnen die falsche Wahl zwischen globaler Wettbewerbsfähigkeit und Achtung der Arbeitnehmerrechte ab.“ Zu den zentralen Forderungen gehören die stärkere Durchsetzung von Arbeitsrechten gegen KI-gestützte Überwachung oder automatisierte Entlassungen, Schutz vor Urheberrechtsverletzungen durch KI-Generierung, umfassende Umschulungsprogramme für Arbeitnehmer, die in KI-Berufe wechseln wollen, sowie Transparenz bei KI-Systemen, die mit Steuergeldern finanziert werden. Ed Wytkind, Interimsleiter des Technologieinstituts der AFL-CIO, betont, dass kollektive Verhandlungen das wirksamste Werkzeug zur Bewältigung der KI-Transformation seien – ein Modell, das bereits in der Automobilindustrie in den 1950er Jahren erfolgreich war. Er sieht in Tarifverträgen eine bewährte Methode, um etwa versteckte Kameras oder digitale Überwachung im Arbeitsalltag zu verhindern, die heute durch moderne Bürosoftware erheblich ausgeweitet wurden. Die AFL-CIO fordert zudem, dass Arbeitnehmer und Gewerkschaften von Anfang an in die Entwicklung von KI-Systemen einbezogen werden – besonders in staatlich finanzierten Forschungsprojekten. Laut Wytkind könnten Arbeiter Unternehmen helfen, Geld zu sparen, indem sie unnütze oder unsichere Technologien verhindern. Gleichzeitig setzt die Organisation auf politische Maßnahmen: In Kalifornien wurde das von der AFL-CIO unterstützte Senate Bill 7 verabschiedet, das menschliche Überwachung bei KI-gestützten Entlassungen und Disziplinarmaßnahmen verlangt. Gouverneur Gavin Newsom lehnte das Gesetz jedoch ab – ein Schlag, den Wytkind zwar bedauert, aber nicht als Ende der Bemühungen ansieht. Er betont, dass die Forderung nach Arbeitnehmerbeteiligung an der KI-Entwicklung eine seltene Einigungspolitik sei, die sowohl Republikaner als auch Demokraten verbindet. Trotz dieser Bemühungen steht die AFL-CIO vor starken wirtschaftlichen Gegnern. Tech-Unternehmen wie Meta haben eigene Super-PACs gegründet, um politisch für KI-Interessen einzutreten, insbesondere in Kalifornien. Während die AFL-CIO in Kalifornien 2023 noch 70.000 US-Dollar für politische Spenden ausgab, stieg der Betrag 2024 auf über 2 Millionen Dollar – mehr als das 30-fache. Dies zeigt die zunehmende politische Bedeutung des Themas. Wytkind betont, dass dies die erste umfassende, einheitliche Technologieagenda der AFL-CIO sei. Im Gegensatz zu früheren, sektorbezogenen Ansätzen erfasst die KI-Initiative nahezu alle Wirtschaftsbereiche – „es gibt keinen einzigen Sektor, der nicht zumindest mittelbar von KI betroffen ist“, sagt er. Die Kampagne markiert einen Paradigmenwechsel: KI wird nicht länger als rein technologisches Thema verstanden, sondern als zentrales soziales und politisches Problem, das gemeinsam mit Arbeitnehmern gestaltet werden muss. In der Branche wird die Initiative als bahnbrechend und notwendig angesehen. Experten sehen darin eine seltene Gelegenheit, die Macht der Technologie auf Arbeitnehmerseite zu lenken. Die AFL-CIO positioniert sich damit nicht nur als Verteidiger von Arbeitsrechten, sondern als entscheidender Akteur in der Gestaltung der digitalen Zukunft.
