HLTH 2025: AI-Hype in der Gesundheitsbranche wächst – aber auch die Sorge vor einer Blase
Auf der diesjährigen HLTH-Konferenz in Las Vegas präsentierte sich die Gesundheitsbranche als ein zentrales Zentrum der KI-Hype-Szene – gleichzeitig aber auch als Ort einer wachsenden Ermüdung und Skepsis. Mit rund 15.000 Teilnehmern und einem riesigen „AI Zone“-Bereich, der sogar eine eigene „AI Theater“ beherbergte, dominierten KI-gestützte Lösungen die Messe. Startups wie Jorie AI und Suki, aber auch Großkonzerne wie Samsung und Johnson & Johnson präsentierten ihre KI-Agenten, die angeblich administrative Aufgaben übernehmen, Diagnosen unterstützen oder Patienteninteraktionen optimieren sollen. Doch hinter der glamourösen Fassade breitet sich zunehmend eine KI-Überlastung aus: Die meisten Angebote klangen sich ähnlich – „Ihr Daten. Unsere Agenten. Reale Ergebnisse“ – und lösten bei Entscheidungsträgern aus Krankenhäusern eher Verärgerung als Begeisterung aus. „Jeder will der allumfassende, agente-basierte KI-Lösung sein. Das ist überwältigend und langweilig“, sagte ein anonym bleibender Gesundheitsmanager. Die Ursache dafür liegt in der explosionsartigen Finanzierung von KI-Startups: Laut Rock Health erhielten digitale Gesundheitsunternehmen im ersten Halbjahr 2025 insgesamt 6,4 Milliarden US-Dollar Venture Capital, davon 62 Prozent für KI-Unternehmen. Zu den größten Deals gehörte die 200-Millionen-Dollar-Finanzierung von OpenEvidence mit einer Bewertung von 6 Milliarden Dollar. Doch das hohe Kapital fließt nicht ohne Risiko. Große Tech-Unternehmen wie OpenAI, Anthropic, Google und Microsoft drängen zunehmend in den Gesundheitsmarkt. OpenAI schickte erstmals einen eigenen Gesundheitsstrategeten, Nate Gross, auf die Hauptbühne, und kündigte an, in klinische KI-Tools und potenziell auch in den Verbrauchergesundheitsbereich einzusteigen. Mit 800 Millionen wöchentlichen ChatGPT-Nutzern verfügt OpenAI über ein unvorstellbares Nutzerpotenzial, das die KI-Entwicklung in der Medizin langfristig verändern könnte. Doch die Angst vor einer KI-Blase ist real. Viele Investoren, wie Blake Wu von NEA, sehen OpenAI und Anthropic nicht mehr als Partner, sondern als existenzielle Bedrohung für etablierte KI-Startups. Gleichzeitig wächst der Druck, da etablierte Player wie Epic, der bisher fehlte, nun eigene KI-Tools – wie einen KI-Schreiber – auf den Markt bringen wollen, was die Wettbewerbslandschaft weiter verengt. Kritiker betonen, dass technologische Brillanz allein nicht ausreicht: „Sie müssen verstehen, wie klinische Prozesse funktionieren – sonst scheitern Sie“, warnte Mary Beth Navarra-Sirio von UPMC Enterprises. Trotz der Hype-Überlastung gab es auch positive Entwicklungen. In der Biotechnologie und Pharmaindustrie, vertreten von GSK, Novartis und City of Hope, zeigte sich, dass KI bei der Forschung, der klinischen Studienrekrutierung und der Arzneimittelentwicklung echte Wirkung entfaltet. Auch in der Frauen-Gesundheit, insbesondere in der Menopause-Behandlung, wurden neue Akzente gesetzt – beispielsweise durch Midi Health, das durch JPMorgan-Werbung auffiel. Zudem wächst das Bewusstsein für verantwortungsvolles KI-Entwickeln: Spring Health stellte ein Benchmark-System für psychische Gesundheits-Chatbots vor, und die American Heart Association gründete mit Dandelion Health ein KI-Validierungs-Labor. Insgesamt spiegelt HLTH 2025 die Spannung wider zwischen einem begeisternden KI-Potenzial und der realen Herausforderung, es verantwortungsvoll, klinisch sinnvoll und wettbewerbsfähig umzusetzen. Die Branche steht an einem Scheideweg: Entweder wird sie von der Hype-Überlastung erdrückt, oder sie findet Wege, KI nicht als Marketing-Tool, sondern als echte, sichere und nachhaltige Innovation in der Medizin zu nutzen. Industrieinsider sehen die Situation kritisch: „Die Hype-Phase ist vorbei, die Zeit der Reife beginnt. Wer nicht verantwortungsvoll baut, wird verdrängt.“ – Milad Alucozai, Pamir Ventures. OpenAI, gegründet 2015, hat sich zu einem der führenden KI-Player entwickelt, während Anthropic, 2021 gegründet, mit Fokus auf verantwortungsvolle KI in der Wissenschaft wächst. Epic Systems, der US-amerikanische Anbieter von EHR-Systemen, ist ein zentraler Akteur mit einem wachsenden KI-Portfolio, das die Branche tiefgreifend verändern könnte.
