Anthropic-KI macht Fortschritt bei Riemann-Vermutung
Ein bisher unveröffentlichtes KI-Modell von Anthropic hat wesentliche Fortschritte bei der über 150 Jahre alten Riemannschen Vermutung erzielt. Bei diesem zentralen ungelösten Problem der Mathematik geht es um die Verteilung der Primzahlen, für dessen allgemeinen Beweis eine Million US-Dollar Prämie ausgesetzt ist. Statt menschlicher Expertise koordinierte das System autonom einen mehrstündigen Forschungsprozess. Ein Mitarbeitender ohne vertiefte mathematische Vorkenntnisse initiierte den Prozess mit einem entsprechenden Prompt, woraufhin das Modell über eineinhalb Tage hinweg 650 Lösungsansätze prüfte, 31 Millionen Recheneinheiten nutzte und dabei 60 Sub-Agenten steuerte. Zwei dieser Agenten entwickelten die Kernideen, während weitere als Validatoren fungierten und ein Manuskript verfassten. Die Resultate wurden von zwei internen Mathematikern bestätigt und im Open-Source-Beweisassistenten Lean formalisiert. Die untere Schranke für die Gültigkeit der Vermutung konnte dabei signifikant erweitert werden. Dieser Durchbruch ist Teil eines wachsenden Trends autonomer KI-gestützter Forschung in der Mathematik. Während Anthropic im vergangenen Jahr unter anderem das Jacobische Konjektur widerlegte, präsentierte OpenAI kürzlich zehn von seinem internen Astra-Modell bewiesenen Sätze. Zahlreiche Probleme aus dem Erdős-Programm konnten bereits im laufenden Jahr durch Sprachmodelle gelöst werden. Diese Entwicklung löst in der wissenschaftlichen Gemeinschaft sowohl Begeisterung als auch Skepsis aus. Im Juni unterzeichneten prominente Mathematiker eine Erklärung, in der sie warnen, dass die KI-Partizipation das traditionelle Prinzip der Autorenschaft und persönlichen Verantwortung für Beweise aushöhle. Kritiker befürchten, dass mathematische Entdeckungen zunehmend von menschlicher Zuschreibung entkoppelt werden. Der britische Mathematiker und Fields-Preisträger Timothy Gowers relativiert diese Bedenken in einer öffentlichen Stellungnahme. Er vertritt die Ansicht, dass eine Entkopplung von Theorem und Forscherperson nicht zwangsläufig problematisch sei, vergleicht dies doch mit der Tatsache, dass die meisten Sterne nicht nach ihren Entdeckern benannt sind. Gowers erwartet vielmehr eine komplexere, jedoch produktive Weiterentwicklung der mathematischen Praxis. Die Branche bleibt hinsichtlich der Integration autonomer Forschungswerkzeuge gespalten, doch die nachgewiesene Fähigkeit moderner Modelle, neue Konzepte zu generieren und mathematische Strukturen zu durchdringen, markiert einen Wendepunkt in der algorithmischen Wissenschaftsforschung.
