Chinas E-Auto-Kampf wird zum KI-Rüstungswettlauf
Chinas Automobilhersteller für Elektrofahrzeuge verlagern ihren Wettbewerbskampf vom reinen Preisvergleich hin zu einer intensiven Rivalität um künstliche Intelligenz. Während der lange andauernde Preiskampf den Markt unter Druck setzt, versuchen die Unternehmen, sich durch fortschrittliche KI-Features im Fahrzeuginneren zu differenzieren. Die strategische Ausrichtung hat sich dabei von der Reichweitensteigerung von Batterien hin zu intelligenten Assistenzsystemen und leistungsstärkeren Autos-Chips verschoben. Ein zentraler Akteur dieser Entwicklung ist ByteDance. Wie das Unternehmen Volcano Engine auf der Pekinger Automesse bekannt gab, nutzen mittlerweile mehr als 50 Marken dessen Doubao-KI-Modell. Dies betrifft insgesamt 145 Fahrzeugmodelle und über sieben Millionen Fahrzeuge. Die Integration erstreckt sich dabei nicht nur auf heimische Marken, sondern auch auf ausländische Marken wie Mercedes-Benz, Audi und Volkswagen, die Doubao in neuen Elektro-Modellen einsetzen. Die Besonderheit liegt in der Fähigkeit, Technologien ferngesteuert schnell zu aktualisieren, sodass Updates über das Luftlinien-Verfahren (Over-the-Air) direkt auf die Fahrzeuge geladen werden können. Trotz der raschen Einführung neuer Funktionen bleibt der Markt extrem angespannt. Fermín Soneira, CEO des gemeinsamen Unternehmens von Audi und SAIC, warnte, dass der Preiskampf aufgrund der hohen Produktionskapazitäten noch nicht absehbare Ende nimmt. Die Herausforderung besteht darin, dass viele dieser Technologien schnell standardisiert werden und sich kaum noch von den Angeboten der Konkurrenz unterscheiden. Experten von AlixPartners stellten fest, dass selbst unter den zwanzig meistverkauften Elektrofahrzeugen in China, die über 100.000 Yuan kosten, die Funktionen für Fahrerassistenz und Unterhaltung zunehmend ähnlich sind. Als Reaktion darauf versuchen einige Hersteller, sich durch das Gesamterlebnis außerhalb des Fahrzeugs zu profilieren. Das chinesische Unternehmen Nio bietet beispielsweise exklusiven Zugang zu Lounges und Produkten an, um eine Luxusmarke zu simulieren. Zwar sind solche Maßnahmen mit hohen Kosten verbunden und das Wachstum verlangsamt sich, doch verzeichnet Nio dennoch Erfolge bei der Auslieferung bestimmter Premiummodelle. Auch andere Tech-Giganten wie Alibaba integrieren ihre KI-Modelle, wie Qwen, in Fahrzeuge von Herstellern wie BYD und Volkswagen, um Dienste wie Essensbestellung oder Buchungen per Sprachbefehl zu ermöglichen. Experten betonen, dass KI im Hintergrund wirken sollte, um die Benutzererfahrung zu verbessern, anstatt als offensichtliches Verkaufsfeature zu dienen. Obwohl es für die chinesischen Hersteller schwierig sein wird, im Heimatmarkt durch reine Technologie zu punkten, könnten diese Funktionen helfen, auf internationalen Märkten, insbesondere in Westeuropa, besser konkurrieren. Was in China heute bereits Standard ist, wird in absehbarer Zeit auch in westlichen Massenfahrzeugen erwartet.
