Amazon zieht sich von Fermi-Projekt zurück, doch Gespräche laufen weiter
Amazon war in Gesprächen mit Fermi, dem Entwickler des ambitionierten Data-Center-Projekts „Project Matador“ im texanischen Panhandle, um die erste Mieterin zu werden, bestätigte CEO Toby Neugebauer in einem Telefoninterview mit Business Insider. Das Projekt, das 11 Gigawatt an Energiekapazität über 12 Standorte bereitstellen soll, war auf eine verbindliche Absichtserklärung mit einem investitionsqualifizierten Mieter angewiesen, um die Finanzierung voranzutreiben. Im September hatte Fermi eine nicht verbindliche Absichtserklärung mit einem potenziellen Mieter vereinbart, der den ersten Gigawatt an Strom über 20 Jahre beziehen sollte. Doch am 12. Dezember stürzte der Aktienkurs von Fermi America um fast die Hälfte, nachdem ein Börsenbeitrag die Aufhebung einer 150-Millionen-Dollar-Vorauszahlung (AICA) für den Baubeginn bekanntgab – ein Schritt, der nach Ablauf der Exklusivzeit erfolgte. Neugebauer bestätigte, dass Amazon der betreffende Verhandlungspartner war, der die Zahlung nach Ablauf der Exklusivphase zurückzog, weil er nach Ansicht des Unternehmens nicht mehr bereit war, Geld zu investieren, ohne eine verbindliche Vereinbarung. Er betonte, dass die Gespräche weiterhin konstruktiv seien und die Absichtserklärung weiterhin gültig sei. Die Verhandlungen seien „nur ein normaler Teil des Prozesses“, sagte Neugebauer, und die Verzögerung sei typisch für „große Deals“. Amazon bestätigte keine Stellungnahme. Der Plan von Fermi, die Energieversorgung durch eine Kombination aus Stromnetz, Erdgas und Kernkraft zu sichern, ist Teil eines breiteren Bemühens, die steigenden Energiebedarfe der KI-Revolution zu decken. Das Projekt basiert auf einer 99-jährigen Grundstücksvermietung an die Texas Tech University System, die nur bei einer verbindlichen Absichtserklärung wirksam wird. Analysten von Cantor Fitzgerald berichteten, dass Fermi eine letzte Änderung der Preisgestaltung durch den potenziellen Mieter als unannehmbar empfunden habe. Neben Amazon hatte bereits Palantir Interesse bekundet, wie Neugebauer im Oktober vor der Stadtverwaltung von Amarillo erklärte. Fermi America wurde vor weniger als einem Jahr von Neugebauer, dem ehemaligen Energieminister Rick Perry und dessen Sohn Griffin gegründet. Die Börseneinführung im September hatte das Unternehmen auf einen Wert von fast 14 Milliarden US-Dollar bewertet, doch nach dem Aktienkursverfall liegt der aktuelle Marktwert unter sechs Milliarden. Die Firma ist weiterhin in Gesprächen mit zwei weiteren potenziellen Mietern und vier weiteren Interessenten. Die Entwicklung unterstreicht die Herausforderungen, die bei der Realisierung von Megaprojekten für die KI-Infrastruktur auftreten – insbesondere bei der Koordination zwischen Energieversorgung, Finanzierung und langfristigen Verträgen. Experten sehen in der Amazon-Verzögerung kein Zeichen für einen vollständigen Zusammenbruch, sondern eine typische Verhandlungsdynamik bei hochkomplexen, milliardenschweren Projekten. Fermi, mit seiner Kombination aus ehemaligen Regierungsvertretern und Energie-Experten, positioniert sich als zentraler Akteur im Wettlauf um klimaneutrale, leistungsstarke Rechenzentren. Die Fähigkeit, trotz Rückschlägen die Verhandlungen aufrechtzuerhalten, wird entscheidend sein, um die Vision von „Project Matador“ zu verwirklichen.
