EU-Technoregulierung als Trump-Weapon? Experten sehen AI-Blase als Vorteil
Die anhaltende Debatte um digitale Regulierung in der EU könnte sich als unerwartetes strategisches Werkzeug im Konflikt mit der US-Regierung unter Präsident Donald Trump erweisen, so ein Experte. Während Trumps scharfe Kritik an EU-Technologieregulierungen, insbesondere an der Digital Services Act (DSA) und der Digital Markets Act (DMA), die Branche in Unruhe versetzt, könnte die Stärke der europäischen Vorschriften letztlich die wirtschaftliche und politische Position der EU stärken. Die jüngsten Angriffe Trumps richteten sich insbesondere gegen Unternehmen wie Spotify und Accenture, die in der EU tätig sind und nun zwischen US-Interessen und europäischer Regulierung gefangen zu sein scheinen. Spotify, der schwedische Streamingdienst, wird von Trumps Regierung vorgeworfen, die US-Interessen zu untergraben, da er sich an die strengen EU-Regeln hält, die die Marktmacht großer Tech-Unternehmen einschränken. Gleiches gilt für Accenture, den US-beratenden Konzern, der in Europa massiv tätig ist und sich an die EU-Datenschutz- und Wettbewerbsvorschriften halten muss. Trumps Kritik zielt darauf ab, die EU als „wettbewerbsunfaire“ Region darzustellen, die US-Unternehmen benachteilige. Doch Experten argumentieren, dass genau diese Regulierungen der EU zu einer nachhaltigen, marktstabilen und verbraucherorientierten Technologieentwicklung beitragen – und somit ein Wettbewerbsvorteil gegenüber dem weniger regulierten US-Modell sein könnten. Ein zentraler Punkt der Debatte ist die Frage nach der Macht der Big Tech. Die EU hat mit der DMA und DSA erstmals systematisch versucht, die Dominanz von Plattformen wie Google, Apple, Amazon und Meta zu begrenzen. Dieser Ansatz, der auf Transparenz, Wettbewerbsfähigkeit und Datenschutz setzt, wird in den USA als „Bremse für Innovation“ kritisiert. Doch die EU-Strategie könnte gerade in einer Welt, in der KI-Entwicklung rasant voranschreitet, zu einer Art „Bremse des Missbrauchs“ werden. Wenn der KI-Blase, die in den USA und in Silicon Valley entstanden ist, die Luft entweicht, könnte die EU mit ihrer stärkeren Regulierung und ethischen Ausrichtung als vertrauenswürdiger Akteur in der globalen KI-Governance auftreten. Industrieanalysten weisen darauf hin, dass die EU-Regulierung nicht nur ein Reagieren auf US-Macht ist, sondern eine proaktive Vision für eine nachhaltige digitale Zukunft. Die Fokussierung auf Verbraucherschutz, datenbasierte Transparenz und fairen Wettbewerb könnte sich im globalen Wettlauf um KI-Technologien als entscheidend erweisen. Insbesondere in Zeiten, in denen KI-Entwicklungen mit ethischen, sicherheits- und sozialen Risiken verbunden sind, könnte die EU-Strategie als „ethisches Gegenmodell“ zu den US-Praktiken wirken. Insgesamt könnte die scheinbare Schwäche der EU durch ihre Regulierungen in Wirklichkeit zu einer Stärke werden. Während Trumps Angriffe auf die EU-Regulierung die Unzufriedenheit in der US-Technologiebranche schüren, könnte die EU mit ihrer klaren, konsistenten und verfassungsrechtlich verankerten Vorgehensweise als Vorbild für eine verantwortungsvolle digitale Transformation dienen. Die KI-Entwicklung in der EU ist zwar langsamer, aber stabiler – und das könnte im globalen Wettbewerb entscheidend sein.
