OpenAI testet Werbung in ChatGPT
OpenAI startete am Montag in den USA eine Testphase mit Anzeigen in ChatGPT. Diese werden zunächst nur für angemeldete Erwachsene auf den kostenlosen und Go-Abonnement-Tarifen angezeigt, während die Premium-Tarife Plus, Pro, Business, Enterprise und Bildung weiterhin werbefrei bleiben. Der Go-Tarif kostet in den USA 8 Dollar im Monat und wurde Anfang Januar weltweit eingeführt. Ziel der Anzeigen ist es, die Infrastruktur für die kostenfreien und günstigen Angebote zu finanzieren und so den Zugang zu leistungsfähigeren ChatGPT-Funktionen zu erhalten. OpenAI betont, dass Anzeigen die Antworten von ChatGPT nicht beeinflussen und dass die Gespräche der Nutzer gegenüber Werbetreibenden weiterhin privat bleiben. Die Antworten werden ausschließlich nach Nutzen und Relevanz für den Nutzer optimiert. Die Anzeigen werden basierend auf dem Gesprächsthema, der Chat-Geschichte und früheren Interaktionen mit Anzeigen ausgewählt. So könnte ein Nutzer, der nach Rezepten sucht, Anzeigen für Mahlzeiten-Boxen oder Lebensmittel-Lieferdienste sehen. Alle Anzeigen sind klar als gesponsert gekennzeichnet und visuell von den nativen Antworten abgetrennt. Werbetreibende erhalten keine Zugriffsrechte auf Chatverläufe, persönliche Daten oder Speicherinhalte – sie erhalten lediglich aggregierte Metriken wie Anzahl der Aufrufe oder Klicks. Um die Privatsphäre zu schützen, werden Anzeigen nicht in Konten angezeigt, bei denen der Nutzer unter 18 Jahre alt ist, oder in Bereichen mit sensiblen Themen wie Gesundheit, psychische Gesundheit oder Politik. OpenAI verspricht, die Einführung verantwortungsvoll voranzutreiben und zusätzliche Sicherheitsmaßnahmen zu entwickeln, um gezielte oder schädliche Werbung zu verhindern. Nutzer können Anzeigen ablehnen, Feedback geben, die eigene Werbeverlaufsgeschichte löschen und die personalisierte Anzeigenanzeige jederzeit anpassen. Die Einführung löste Kritik aus, insbesondere nachdem der Konkurrent Anthropic im Super Bowl Werbung mit satirischen Szenen zeigte, in denen Chatbots plötzlich unpassende Werbebotschaften ausspuckten – ein direkter Seitenhieb auf OpenAI. CEO Sam Altman reagierte verärgert und nannte die Werbung „unehrlich“ und Anthropic eine „autoritäre Firma“. Bisher haben Nutzer die Idee von Werbung in KI-Chatbots skeptisch gesehen, besonders nach einem früheren Test mit App-Empfehlungen, die als unerwünschte Werbung wahrgenommen wurden. Trotz der Bedenken ist OpenAI auf der Suche nach Einnahmen, da die Entwicklung und Bereitstellung der KI-Technologie enorme Kosten verursacht. Die Firma hat sich seit dem Launch von ChatGPT 2022 auf ein Bewertungsniveau von 500 Milliarden Dollar entwickelt – höher als jedes andere private Unternehmen. Analysten gehen davon aus, dass OpenAI möglicherweise mit einer Marktkapitalisierung von einer Billion Dollar an die Börse gehen könnte. Dennoch bleibt das Fundament des Angebots: ChatGPT-Antworten bleiben unabhängig, die Privatsphäre gewahrt und die Nutzer behalten die Kontrolle über ihre Erfahrung. Die aktuelle Testphase dient vor allem dem Lernen und der Verbesserung der Anzeigenintegration, bevor eine breitere Einführung erfolgt. Für Unternehmen bietet OpenAI zukünftig Möglichkeiten, sich in der ChatGPT-Oberfläche sinnvoll zu präsentieren – mehr Informationen gibt es unter openai.com/advertisers.
