Mantis Biotech: Digitale Zwillinge gegen Datenengpass
New Yorker Biotech-Startups Mantis Biotech entwickelt Lösungen für das langjährige Datenproblem in der Medizin, indem es digitale Zwillinge des menschlichen Körpers erschafft. Während große Sprachmodelle die biomedizinische Forschung durch Datenanalyse vorantreiben könnten, stoßen sie oft an ihre Grenzen, wenn seltene Krankheiten oder ungewöhnliche Fälle betrachtet werden, für die repräsentative Datensätze fehlen. Mantis Biotech beabsichtigt, diese Lücke durch eine Plattform zu schließen, die verschiedene Datenquellen integriert, um synthetische Datensätze zu erzeugen. Die Technologie basiert auf physikbasierten, prädiktiven Modellen, die Anatomie, Physiologie und Verhalten simulieren. Um diese digitalen Zwillinge zu erstellen, sammelt die Plattform Daten aus Lehrbüchern, Bewegungserfassungssystemen, biometrischen Sensoren, Trainingsprotokollen und medizinischen Bildgebungsverfahren. Ein auf Sprachmodellen basierendes System leitet und validiert diese Datenströme, bevor sie durch eine Physik-Engine laufen. Dies ermöglicht die Erstellung hochfidelere Renderings, die als Trainingsdaten für prädiktive Modelle dienen. Die Physik-Engine ist hierbei entscheidend, da sie synthetische Daten realistischer macht, indem sie die physikalischen Gesetze der Anatomie berücksichtigt. Georgia Witchel, Gründerin und CEO von Mantis, verdeutlichte das Potenzial am Beispiel einer virtuellen Hand: Während die Generierung von Datensätzen für Menschen mit einem fehlenden Finger durch fehlende reale Daten schwierig wäre, könnte das Physik-Modell diesen Mangel leicht kompensieren. Dies ermöglicht Anwendungen, die über die reine Datenaggregation hinausgehen, wie etwa das Testen neuer medizinischer Verfahren, das Trainieren chirurgischer Roboter oder die Vorhersage von Verletzungen und Verhaltensmustern. Ein konkretes Einsatzgebiet ist derzeit der Profisport. Ein Hauptkunde des Startups ist eine NBA-Mannschaft, für die Mantis digitale Repräsentationen der Spieler erstellt. Diese zeigen nicht nur aktuelle Sprungleistungen, sondern analysieren diese im Kontext von Schlafmengen und Training über das gesamte vergangene Jahr. Dies hilft bei der Vorhersage von Verletzungsrisiken, wie etwa Achillessehnenproblemen, basierend auf Trainingsbelastung und Ernährung. Witchel betont, dass die digitale Zwilling-Technologie den Zugang zu sensiblen oder unstrukturierten Daten verbessern soll, ohne die Privatsphäre der Patienten zu gefährden. Sie sieht einen kulturellen Wandel nötig, bei dem virtuelle Tests anstatt realer Patienten durchgeführt werden, um ethische und regulatorische Hürden zu umgehen. Die Philosophie ist dabei, digitale Duplikate zu nutzen, anstatt echte Daten zu verwerten. Vor kurzem sicherte sich Mantis Biotech 7,4 Millionen Dollar in einer Seed-Finanzierungsrunde, die von Decibel VC angeführt wurde und an der auch Y Combinator sowie Investoren aus dem Liquid 2 Fonds teilnahmen. Die Mittel sollen für Einstellungen, Marketing und die Vermarktung der Technologie verwendet werden. Der nächste Schritt besteht darin, die Technologie weiterzuentwickeln und die Plattform für den allgemeinen Publikumsbereich zu öffnen, wobei der Fokus auf präventiver Gesundheitsversorgung liegt. Parallel arbeitet das Unternehmen daran, Pharmafirmen und Forscher, die an FDA-Studien teilnehmen, mit Einblicken in die Reaktion von Patienten auf Behandlungen zu versorgen. Dies könnte die Arzneimittelentwicklung erheblich beschleunigen und klinische Entscheidungen präziser gestalten.
