Samsung & SK Hynix halten strukturellen Vorteil vor Japan
Südostasiatische Halbleiterhersteller stehen weiterhin unter einem strukturellen Wettbewerbsnachteil gegenüber südkoreanischen Branchenführern, trotz des deutlichen Aufschwungs von Kioxia im Zuge des Künstlichen-Intelligenz-Booms. Dies betont Yuji Sugimoto, der japanische Repräsentant von Bain Capital, der den Kauf der ehemals Toshiba Memory genannten Tochtergesellschaft anführte. In einem Gespräch mit Nikkei führt Sugimoto den anhaltenden Vorsprung südkoreanischer Konzerne wie Samsung Electronics und SK Hynix auf deren chaebol-typische Governance-Strukturen zurück. Die zentrale Entscheidungsfindung und gebündelte Eigentumsverhältnisse ermöglichten in der Halbleiterbranche die notwendigen, kapitalintensiven Langzeitinvestitionen, die für das Überleben und den Markterhalt essenziell sind. Japanische Großkonzerne scheitern seiner Einschätzung nach häufig an der internen Koordination solcher strategischen Verpflichtungen. Der Turnaround von Kioxia, das 2018 von einem von Bain geführten Konsortium für rund zwei Billionen Yen übernommen und 2019 umbenannt wurde, verdeutlicht diese These. Sugimoto räumt ein, dass die Fortführung massiver Investitionen trotz hoher Verluste unter der alten Toshiba-Struktur unmöglich gewesen wäre, da andere Unternehmensbereiche solche Ausgaben blockiert hätten. Bain finanzierte das Unternehmen weiterhin durch den Marktzyklus hinweg, eine Strategie, die sich angesichts der unerwartet starken Nachfrageschübe nach KI-relevanten Speicherchips auszuzahlen begann. Obwohl der Begriff KI im Jahr 2018 noch kaum präsente Rolle im Memory-Sektor spielte, positionierte sich das Unternehmen durch die konsequente Kapitalallokation optimal für den aktuellen Boom. Die Börsennotierung von Kioxia im Dezember 2024 verzeichnete daraufhin eine Kursgewinnspanne von mehr als viertausend Prozent. Bain Capital hat seine Positionen inzwischen vollständig abgewickelt; Geschäftsführer David Gross bestätigte den kompletten Ausstieg aus dem Unternehmen. Am darauf folgenden Handelstag stiegen die Kioxia-Aktien mittags um acht Komma fünf Prozent, was den Nikkei-225-Index deutlich antrieb. Gegenläufig entwickelte sich die koreanische Börse, wobei Samsung Electronics leicht fiel, SK Hynix jedoch leicht zulegen konnte. Die aktuelle Marktdynamik unterstreicht die anhaltende Polarisierung im globalen Halbleitersektor. Während südkoreanische Konzerne durch ihre zentrale Steuerung weiterhin strategische Flexibilität bewahren, bleibt die japanische Industrie bestrebt, durch unabhängige Kapitalstrukturen wie bei Kioxia neue Wege der Wettbewerbsfähigkeit zu erschließen. Die langfristige Ausrichtung der Branche wird sich maßgeblich an der Fähigkeit zur Finanzierung expansiver Technologieprogramme und der Anpassung an die sich rasch wandelnde KI-Dynamik messen lassen.
