Big Techs Capex-Wachstum durch Memory-Preise überzogen
Große Tech-Unternehmen wie Amazon, Google, Meta und Microsoft werden in diesem Jahr nach Angaben der RBC Capital Markets rund 600 Milliarden US-Dollar in Kapitalausgaben (Capex) für Rechenzentren, Chips, Netzwerke und verwandte Infrastruktur investieren – vor allem, um der steigenden Nachfrage nach Künstlicher Intelligenz (KI) gerecht zu werden. Auf den ersten Blick wirkt diese Entwicklung wie ein ungebremstes Wachstum. Doch eine detaillierte Analyse der Bank zeigt, dass ein Großteil dieses Anstiegs nicht auf eine echte Zunahme der Hardware-Nachfrage zurückzuführen ist, sondern vor allem durch explodierende Preise für Speicherchips verursacht wird. Besonders betroffen sind Datenzentrumsspeicherchips wie DRAM, High-Bandwidth-Memory (HBM) und NAND-Flash. Laut RBC wird der Anstieg der Kapitalausgaben für Speicher in den Top-10-Hyperskalern von rund 107 Milliarden Dollar im Jahr 2025 auf etwa 237 Milliarden Dollar im Jahr 2026 steigen – ein Plus von 130 Milliarden Dollar. Davon entfallen etwa 98 Milliarden Dollar allein auf Preisanstiege, während die Menge an gekauften Chips nahezu unverändert bleibt. Die Preise für DRAM sollen laut TrendForce in 2026 mehr als verdoppeln, die für NAND-Flash um über 85 Prozent ansteigen. Diese Preisexplosion ist Folge einer starken Knappheit an hochleistungsfähigen Speichertechnologien, die für moderne KI-GPUs unerlässlich sind. HBM und DRAM sind entscheidend für die hohe Bandbreite und Geschwindigkeit, die KI-Infrastruktur benötigt, während NAND-Flash für die Speicherung riesiger Datenmengen in Rechenzentren zentral ist. Die Knappheit wird durch eine Kombination aus Produktionsengpässen, erhöhter Nachfrage und geopolitischen Faktoren verschärft. Wenn man die Speicherpreise aus der Rechnung streicht, verändert sich das Bild drastisch: Die Kapitalausgabenwachstumsrate für Big Tech würde sich von etwa 80 Prozent im Jahr 2025 auf rund 40 Prozent im Jahr 2026 verringern. Das ist weiterhin ein starkes Wachstum, aber deutlich weniger explosionsartig als die rohen Zahlen suggerieren. RBC bezeichnet dies als „bemerkenswerte Verlangsamung“ – allerdings nicht als Alarmzeichen. Die grundlegende Investitionstätigkeit in KI bleibt robust, doch die Preisentwicklung bei Speicherchips ist nun der größte unsichere Faktor für die Kapitalausgabenentwicklung im Jahr 2027. Die Erkenntnis zeigt, dass Big Tech zwar weiterhin massiv in Infrastruktur investiert, aber der größte Teil der Ausgabensteigerung nicht aus mehr gebauter Hardware, sondern aus teureren Komponenten resultiert. Dies könnte sich langfristig auf die Rentabilität und die Planbarkeit von KI-Projekten auswirken. Industrieexperten sehen in der Situation eine kritische Abhängigkeit von der Speicherindustrie. Die Konzentration auf wenige Hersteller und die fehlende Diversifizierung der Lieferketten machen die Branche anfällig für Preisschocks. Unternehmen wie Samsung, SK Hynix und Micron dominieren den Markt – und ihre Preisentscheidungen haben direkten Einfluss auf die gesamte Tech-Branche. Langfristig könnte dies zu einer Neuordnung der Investitionsstrategien führen, etwa durch verstärkte Eigenentwicklung von Speicherchips oder strategische Lagerhaltung. Die aktuelle Entwicklung unterstreicht, dass die KI-Armee nicht nur aus leistungsstarken Chips, sondern auch aus stabilen und erschwinglichen Speicherlösungen besteht – und dass der Erfolg der KI-Revolution nicht nur von der Innovationskraft, sondern auch von der Marktdynamik der Grundbausteine abhängt.
