AI: Schafft es neue Jobs für junge Fachkräfte?
Ein neuer von der MIT-Laborökonomin David Autor geleiteter Forschungsbericht untersucht, wie technologischer Fortschritt Arbeitsplätze verändert. Während die Technologie traditionelle Aufgaben eliminiert, entstehen neue Berufsfelder. Die entscheidende Frage lautet dabei, wer diese neuen Positionen erhält und wie sich die Arbeitsmarktchancen entwickeln. Die Studie zeigt, dass in den USA nach dem Zweiten Weltkrieg neu geschaffene Arbeitsplätze vor allem junge und hochqualifizierte Personen im Alter von unter 30 Jahren in städtischen Zentren zugutekamen. Ein zentrales Ergebnis der Forschung ist, dass Innovation stark nachfragegetrieben ist. Massive staatlich unterstützte Investitionen in Forschung und Produktion, wie sie während des Zweiten Weltkriegs stattfanden, führten zu einer Explosion neuer Spezialisierungen. Dies verdeutlicht, dass jede große neue Aktivität das Potenzial für neue, spezialisierte Wissensbereiche bietet. Die Autoren betonen, dass Technologie kein zufälliges Produkt ist, sondern auf bewussten Investitionen und Nachfrage basiert. Die Studie, die auf Daten des US-Volkszählungsamtes von 1940 bis 2023 basiert, analysierte detaillierte Informationen zu Berufen, Löhnen und Demografie. Sie fand heraus, dass neue Arbeitsplätze oft mit spezifischem Fachwissen verbunden sind, das initially knapp ist. Diese Knappheit generiert einen Lohnvorteil, der jedoch schwindet, sobald das Wissen verbreitet wird und die Aufgabe zur Routine wird oder automatisiert werden kann. Beispielsweise war die Bedienung von Schreibmaschinenprogrammen einst eine gut bezahlte Spezialität, die heute zum Standardwissen gehört. Im Zeitraum 1940 bis 1950 hielten etwa sieben Prozent der Arbeitnehmer Berufe, die seit 1930 entstanden waren. In den Jahren 2011 bis 2023 lag dieser Anteil bei rund 18 Prozent. Die Relevanz dieser historischen Analysen für die aktuelle Künstliche Intelligenz (KI) ist beträchtlich, auch wenn die genauen Auswirkungen noch unklar sind. Die Forscher warnen davor, dass KI spezifische Aufgaben verdrängen könnte, was nicht zwangsläufig den Verlust ganzer Jobs bedeutet, da viele Tätigkeiten aus mehreren Aufgaben bestehen. Die Unsicherheit liegt darin, woher neue Arbeit kommen wird und wer dazu befähigt ist, diese zu übernehmen. Im Gesundheitswesen, das einen großen Teil der öffentlichen Ausgaben in den USA ausmacht, sieht Autor verschiedene Wege für den KI-Einsatz. KI könnte entweder menschliche Arbeit automatisieren oder es Expertenteams ermöglichen, Aufgaben differenzierter zu verteilen. Letzteres wäre gesellschaftlich vorteilhafter, aber nicht garantiert, da der Markt oft andere Prioritäten setzt. Durch gezielte staatliche Nachfrage und öffentliche Investitionen könnte jedoch der Einsatz von KI so gelenkt werden, dass er die Produktivität steigert und neue Arbeitsplätze schafft. Die Studie zeigt, dass technologischer Wandel zwar neue Chancen eröffnet, deren Verteilung und Nutzen jedoch stark von den politischen und wirtschaftlichen Rahmenbedingungen abhängen, unter denen die Innovation stattfindet.
