Keenable indexiert das Web für KI-Agenten
Das KI-Start-up Keenable ist mit einer Seed-Finanzierung in Höhe von 26 Millionen US-Dollar aus der Stealth-Phase getreten. Geführt wurde die Runde vom Venture-Capital-Unternehmen Accel, an dem zudem Conviction Partners und eine Gruppe von Business Angels beteiligt waren. Das Unternehmen entwickelt eine speziell für KI-Agenten optimierte Websuchinfrastruktur, um den wachsenden Bedarf an effizienter Datenextraktion für Trainings- und Inference-Workflows zu decken. Gründer Andrey Styskin, ehemaliger Leiter der Suchmaschinen-, KI- und Cloud-Sparte bei Yandex, sowie Matthias Petri, deutscher KI-Forscher mit Vergangenheit bei Amazon, identifizierten eine strukturelle Lücke im Markt. Während traditionelle Suchmaschinen auf menschliche Nutzer ausgelegt sind, erfordert die Verarbeitung durch Large Language Models eine vollständig andere Indexierungsstrategie. Styskin betont, dass eine gezielte Verkleinerung des Suchraums in Echtzeit entscheidend ist, um die extrem hohen Kosten bei der Indexierung des gesamten Webs zu kontrollieren. Keenable arbeitet bereits an einem Index mit über 100 Milliarden Dokumenten, dessen API von mehreren KI-Forschungslaboren und Inferenz-Anbietern produktiv genutzt wird. Zudem kündigte das Unternehmen eine Partnerschaft mit der Sprach-KI-Gesellschaft Gradium zur Echtzeit-Informationsermittlung an. Ein zentrales Differenzierungsmerkmal ist die geplante Einführung von WebQueryLanguage, einer proprietären Abfragesprache, die es KI-Systemen ermöglicht, Antworten durch die Kombination fragmentierter Informationen aus mehreren Webquellen zu generieren, ohne dass eine einzelne Seite die vollständige Antwort liefert. Accel-Partner Zhenya Loginov sieht den Finanzierungsbedarf durch die restriktive API-Politik großer Tech-Konzerne getrieben. Da Google und Microsoft ihre bestehenden Such-APIs zunehmend beschränken, um eigene KI-Ökosysteme zu schützen, entsteht für spezialisierte Infrastruktur-Anbieter eine klare Marktlücke. Mit einem derzeit 15-köpfigen Engineering-Team in den Vereinigten Staaten und Europa plant Keenable, das frische Kapital zur Verdopplung der Belegschaft bis zum Jahresende einzusetzen und die Vertriebsstruktur auszubauen. Styskin räumt ein, dass der Aufbau einer globalen Suchindex-Infrastruktur finanziell äußerst fordernd ist, weist jedoch darauf hin, dass KI-native Architektur und agiles Kostenmanagement Wettbewerbsvorteile gegenüber etablierten Playern bieten können. Der Markt für agentenoptimierte Websuche expandiert, wobei Konkurrenten wie Brave und Exa ähnliche Ansätze verfolgen. Dennoch signalisiert die Investition in Keenable einen breiteren Industrie-Trend: Die Ära der klassischen Suchergebnisse für Maschinen endet, während spezialisierte Datenarchitekturen für autonome KI-Systeme an Dominanz gewinnen.
